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Mitschnitt: Astrophysiker zu Gast in der 50. Sendung „Kilowatt“ bei Radio Jade

Am 15. August 2026, von 18:00 bis 20:00 Uhr, war der Diplom-Physiker und Astrophysiker Andreas Schwarz wieder zu Gast im Bürgerfunk von Radio Jade in der Sendung „Kilowatt“ von Christof Ueberschaar.

Bild: Christof Ueberschaar und Andreas Schwarz für die Sendung „Kilowatt“ im Studio bei Radio Jade

Zu Beginn der 50. Folge interviewte zunächst Andreas Schwarz den Moderator Christof Ueberschaar anlässlich dieses Jubiläums. Dieser moderiert die Technik-Sendung seit dem Jahr 2019. Neben Technik gibt es regelmäßig auch kulturelle und wissenschaftliche Beiträge. Im Interview erzählt Christof Ueberschaar, wie er zum Radio kam und sich „Kilowatt“ im Laufe der Jahre entwickelte. Heute ist die Sendung ein fest etabliertes Magazin für Kultur, Technik und Wissenschaft im Rahmen des Bürgerfunks bei Radio Jade.

Im Fokus der Jubiläumssendung stand das Weltall und dessen Bedeutung für die Gesellschaft. Passende Musikeinlagen bereicherten die Ausführungen und Gespräche. Konkret thematisierten die beiden die Sonnenfinsternis vom 12. August 2026, was es mit der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven und dem Fermi-Paradoxon auf sich hat und wie mit dem Projekt AstroGeoSpace ein modernes und neuartiges astronomisch-geowissenschaftliches Observatorium in Wilhelmshaven errichtet und betrieben werden soll. Dieses verbindet Wissenschaft und Forschung, Bürgerinnen- und Bürgerwissenschaft sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in einer innovativen Infrastruktur. Dabei gingen sie auch auf den historischen Vorläufer, das Kaiserliche Marineobservatorium mit Weltruf, ein, welches von 1878 bis 1945 in Wilhelmshaven bestand.

Ganz im Sinne des Wissenschaftsjahres 2027 ging es in der 50. Folge von „Kilowatt“ auch allgemein um die Bedeutung der Raumfahrt und des Weltalls für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Sie besprachen, wie sehr die Menschheit schon jetzt von weltraumgestützter Technologie im Bereich der Kommunikation, Navigation, Wetter- und Klimabeobachtung sowie der Sicherheit abhängig ist. Es wurde ebenfalls darauf eingegangen, wie in Zukunft der Abbau von fast unbegrenzten Mengen an Rohstoffen im Weltall, Fertigungsprozesse in der Schwerelosigkeit, weltraumgestützte Solarenergie und auch der Tourismus an Bedeutung gewinnen werden.

Die Perspektiven und Partizipationsmöglichkeiten für die maritime Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven und die Region Weser-Ems wurden ebenfalls ausführlich besprochen. In Kooperation mit Bremen („City of Space“) als größtem europäischen und deutschen Standort für Raumfahrt sollen Bremen und Nordwest-Niedersachsen als „Region of Space“ insgesamt zu einer Schwerpunktregion für Raumfahrt und Weltraumforschung entwickelt werden.

Die 50. Sendung „Kilowatt“ bot einen interessanten und umfangreichen Einblick in die weltraumbezogene Entwicklung der Gesellschaft von der Gegenwart in die Zukunft. Dabei wurde insbesondere auch die damit verbundene regionale Entwicklung in Bremen und Nordwest-Niedersachsen betrachtet. Gemäß „Star Trek“ hat das Abenteuer der Menschheit im Weltall gerade erst begonnen.

In der 51. Folge von „Kilowatt“ am 19. September 2026 von 18:00 bis 20:00 Uhr wird Andreas Schwarz ein drittes Mal zu Gast sein. Dann geht es vom Weltall zurück auf die Erde zu den Geowissenschaften. Insbesondere das Wetter und das Klima sollen dann Schwerpunktthemen werden.

Nachfolgend kann der Mitschnitt zur 50. Sendung „Kilowatt“ vom 15. August 2026 (18:00 bis 19:00 Uhr und 19:00 bis 20:00 Uhr) aufgerufen oder heruntergeladen werden:

Schweigende Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven löst Fermi-Paradoxon auf

Seit den 1950er-Jahren gibt es in der Forschung intensive Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit von technologisch entwickeltem, intelligentem Leben im All. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die 1961 aufgestellte Green-Bank-Formel von Frank Drake (1930–2022), auch bekannt als SETI-Gleichung. Ein weiteres zentrales Konzept ist das sogenannte Fermi-Paradoxon, das der Kernphysiker Enrico Fermi (1901–1954) bereits im Jahr 1950 formulierte.

Der folgende Artikel beleuchtet dieses Paradoxon und zeigt auf, wie der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft des Rates sowie viele Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik der Stadt Wilhelmshaven dieses ohne eigenes Zutun aufgelöst haben. Stattdessen hinterließen sie in Wilhelmshaven ein lokales Wissenschaftsstadt-Paradoxon.

Ein ausführlicher Überblick über die Erfahrungen des Astronomischen Vereins Wilhelmshaven-Friesland e. V. (AVWF) und des Astronomie-Netzwerks Weser-Ems (ANWE) mit den Gremien sowie Vertreterinnen und Vertretern der (von diesen selbst titulierten) Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven.

Bild 1: Rathaus – Kommunalpolitik der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven antwortet nicht / Foto: Andreas Schwarz

Das Fermi-Paradoxon

Ausgehend von der These, dass die Erde keine absolute Ausnahme im Universum darstellt, sollten in unserer Galaxis theoretisch weitere kulturell-technisch entwickelte Zivilisationen existieren. Unsere Milchstraße hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren. Mit einem Raumschiff, das sich mit einem bis zehn Prozent der Lichtgeschwindigkeit c = 299.792.458 m/s (0,01 – 0,1c) bewegt, ließe sich die Galaxis in einem Zeitraum von einer bis zehn Millionen Jahren durchqueren. Bei einem Alter der Galaxis von rund zehn Milliarden Jahren wäre dies bereits mehrfach möglich gewesen.

Gäbe es unter diesen Zivilisationen auch nur eine einzige, die mithilfe von Raumfahrttechnik zur Kolonisierung der Galaxis fähig wäre, hätte sie diese innerhalb weniger Millionen Jahre vollständig besiedeln können. Aufgrund dieser mathematischen Wahrscheinlichkeit und des hohen Alters der Galaxis müssten extraterrestrische, technologisch entwickelte Zivilisationen eigentlich allgegenwärtig sein. Nach Fermi sollten wir diese Zivilisationen daher auch beobachten können. Bisherige astronomische Beobachtungen bestätigen die Existenz solcher Zivilisationen jedoch nicht, was gegen deren Existenz sprechen würde.

Etwas allgemeiner ausgedrückt: Bisher hat keine technologisch entwickelte Lebensform im All auf die aktiven und indirekten Kommunikationsversuche der Menschheit reagiert. Dieser Widerspruch zwischen der theoretischen Wahrscheinlichkeit und dem großen Schweigen im Kosmos bildet eine mögliche Form vom Fermi-Paradoxon.

Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft

Der Astrophysiker Andreas Schwarz war am 1. April 2025 (kein Aprilscherz) zu einem Vortrag über aktuelle astronomische Projekte vor dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft des Rats der Stadt Wilhelmshaven eingeladen. Im Anschluss fragte er, welche Mitglieder außer Ratsherr Andreas Tönjes im März 2025 das „Tiny-Observatorium“ – eine mobile Sternwarte – am Banter See besucht hätten. Erfahren hatte davon im Ausschuss angeblich niemand; man hätte explizit eingeladen werden müssen.

Tatsächlich zeigen neben dem Ratsherrn Andreas Tönjes regelmäßig nur der Erste Stadtrat Armin Schönfelder und die Bürgermeisterin Astrid Zaage aktives Interesse an der Arbeit des Astronomischen Vereins Wilhelmshaven-Friesland e. V. und des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE). Sie kommunizieren auch erfolgreich mit diesen Institutionen und zeigen Präsenz. Das ANWE, das seinen Sitz an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven hat, bündelt die Expertise von fünf Hochschulen, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), elf astronomischen Vereinigungen sowie einer astronomischen Stiftung und ist in regionale, nationale und internationale Kooperationen eingebunden.

Wie vom Ausschuss gefordert, folgten in der Zeit danach drei offizielle Einladungen zu Großveranstaltungen: zur Erweiterung des ANWE an der Hochschule Bremen am 24. Oktober 2025, zur nächsten Mission des Tiny-Observatoriums am Banter See im März 2026 und zum Tag der Astronomie und Raumfahrt an der Jade Hochschule am 28. März 2026. In allen drei Fällen gab es keinerlei Rückmeldung. Lediglich die Ausschussvorsitzende Helga Weinstock teilte nach einer erneuten Nachfrage per E-Mail knapp mit, dass sie und ihr Stellvertreter nicht an der Erweiterungsveranstaltung des ANWE am 24.10.2025 teilnehmen können. Die anderen Einladungen blieben unbeantwortet.

Am 26. März 2026 wurde den Ausschussmitgliedern zudem eine strategische Kooperation mit dem ANWE angeboten, um Wilhelmshaven als Wissenschaftsstadt voranzubringen. Angesichts der dynamischen Entwicklung der Weltraumwirtschaft und der Rolle von Bremen als führendem Raumfahrtstandort in Deutschland und Europa soll diese in der Region Weser-Ems etabliert werden. Hierbei soll Wilhelmshaven eine herausragende Schlüsselrolle einnehmen. Es soll hierfür in Anlehnung an das von 1878 bis 1945 bestehende historische Kaiserliche Marine-Observatorium mit Weltruf auch ein modernes astronomisch-geowissenschaftliches Observatorium errichtet werden (Projekt: AstroGeoSpace). Die Jade Hochschule wäre in Zusammenarbeit mit der Stadt Wilhelmshaven sogar zur Trägerschaft bereit. Getreu dem Science-Fiction-Motto „Metaluna 4 antwortet nicht“ blieb eine Reaktion des Ausschusses jedoch vollständig aus.

Erst auf eine fünfte, kritische E-Mail vom 28. April 2026 folgte eine Stunde später ein Anruf von Ratsfrau Nurhayat Bakir-Block. Sie entschuldigte sich aufrichtig für das kommunikative Defizit und versprach, die fehlende Rückmeldebereitschaft im Ausschuss zu thematisieren – eine offizielle Antwort steht hierzu allerdings noch aus bzw. kam nie. Keines der anderen Mitglieder hat jemals geantwortet.

Der Rat und die Verwaltung der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven

Die Kontaktversuche mit anderen Mitgliedern des Rates der Stadt Wilhelmshaven, einschließlich der Vorsitzenden, blieben bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls erfolglos. Abgesehen vom Ersten Stadtrat ist übrigens auch die Kommunikation mit der übrigen Verwaltungsspitze der Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven einseitig und nicht zielführend.

Die kommunalpolitischen Vertreterinnen und Vertreter antworten überwiegend nicht, daher liegt die Bezeichnung als „Schweigende Wissenschaftsstadt“ sehr nahe. Der Titel „Wissenschaftsstadt“ wurde übrigens nicht vom Land Niedersachsen verliehen, welches den entsprechenden Antrag der Stadt Wilhelmshaven abgelehnt hatte. Der Rat hat diesen Titel ohne jede Kommunikation mit den Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und ihren Institutionen am 18. März 2026 selbst verliehen.

Der Titel „Schweigende Wissenschaftsstadt“ bezieht sich ausschließlich auf das grundsätzliche Verhalten der Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Wilhelmshaven, nicht jedoch auf die wissenschaftlichen Institutionen und ihre Angehörigen. Diese führen eine erfolgreiche und hervorragende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit durch. Ein Beispiel ist die Lange Nacht der Wissenschaft.

Ein weiteres Beispiel zur schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven: Der Astronomie-Club Ostfriesland e. V. entwickelt derzeit mit der Hochschule Emden/Leer ebenfalls ein Projekt zur Errichtung und zum Betrieb eines Observatoriums namens „Fabricius“ – benannt nach dem ostfriesischen Astronomen Johann Fabricius (1587–1617). Die Nicht-Wissenschaftsstadt Wiesmoor und der Landkreis Aurich haben den Mehrwert des Projekts für die Region Ostfriesland sofort erkannt und unterstützen es grundsätzlich. So will Wiesmoor unter anderem ein Grundstück zur Verfügung stellen. Die Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven verhält sich dem Projekt „AstroGeoSpace“ gegenüber jedoch weitgehend abweisend und agiert mehr hinderlich als unterstützend. Doch gerade die Realisierung eines astronomisch-geowissenschaftlichen Observatoriums in Wilhelmshaven wäre ein sichtbares und stärkenzeigendes Leuchtturmprojekt für eine Wissenschaftsstadt.

Die zweijährige Mitwirkung (2023–2025) des Astrophysikers Andreas Schwarz im „Beirat Wissenschaftsstadt“ der Wirtschaftsförderungsgesellschaft war vor diesen Hintergründen bis auf wenige Ausnahmen reine Zeitverschwendung. Die Kommunalpolitik und die Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven kommunizieren nicht wirklich effektiv mit allen Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft in ihrem Umfeld. Dabei gehört eine funktionierende Kommunikation zum Wesen von Wissenschaft und damit auch zu einer Wissenschaftsstadt.

Es besteht allerdings auch innerhalb der Gremien der Stadt Wilhelmshaven ein Kommunikationsproblem. So wurden die vom Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. übermittelten Anliegen und Vorschläge durch den Ratsvorsitz sowie den Ausschuss für Kultur und Wissenschaft nicht wahrnehmbar an den Rat und die Verwaltung der Stadt weitergeleitet. Entsprechend blieben Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Wilhelmshaven uninformiert. In diesen Fällen konnte es nicht zu einer Kommunikation mit dem Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. und dem Astronomie Netzwerk Weser-Ems kommen – obwohl hierzu gegebenenfalls die Bereitschaft bestanden hätte. Zudem werden aufgrund der fehlenden Kommunikation Leistungen einzelner Ratsmitglieder nicht sichtbar, obwohl sie erbracht werden.

Positive Ausnahmen: Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration gewährte dem Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. auf Antrag zweimal eine finanzielle Förderung für öffentliche astronomische Bildungsarbeit. Der Verwaltungsausschuss schlug den Verein im Dezember 2025 für eine Spende vor, welche dann im Januar 2026 von der August-Desenz-Drehorgel-Stiftung gewährt wurde. In diesen Ausschüssen wirkten, unter anderen, auch in unterschiedlicher Konstellation Armin Schönfelder, Andreas Tönjes, Astrid Zaage und Nurhayat Bakir-Block mit. Doch auch die anderen, nicht namentlich genannten Mitglieder haben uns hierbei unterstützt. Hierfür sind wir allen Beteiligten sehr dankbar!

Die Auflösung des Fermi-Paradoxons und das Wissenschaftsstadt-Paradoxon

Eigentlich hätten der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. und das Astronomie Netzwerk Weser-Ems allen Grund, sich über das Verhalten des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft sowie der meisten Ratsmitglieder – einschließlich der Ratsvorsitzenden – zu beschweren. Während die Kommunikation mit Vertreterinnen und Vertretern aus Städten wie Aurich, Bremen, Oldenburg, Papenburg, Schortens und Wiesmoor relativ gut funktioniert, blieb die Kommunikation mit der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven einseitig.

Dafür förderte jedoch ein Vortrag des Astrophysikers Andreas Schwarz über den Planeten Mars am 8. Juni 2026 in der Musik- bzw. Wissenschaftskneipe „Schwarzer Bär“ eine wissenschaftliche Glanzleistung des Ausschusses zutage. Auf die Frage eines Gastes, ob die einst erfolglosen Kommunikationsversuche von Nikola Tesla ein Beweis für die Nichtexistenz von höher entwickeltem Leben auf dem Mars seien, folgte ein astrobiologischer Geistesblitz: Nein! Das konsequente Ignorieren von Nachrichten ist kein Beweis für die Nichtexistenz der Empfänger. Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft sowie viele weitere Ratsmitglieder der Stadt Wilhelmshaven antworten schließlich auch nie – und existieren nachweislich trotzdem. Damit haben das Gremium und die betreffenden Ratsmitglieder, ohne es zu ahnen, das Fermi-Paradoxon im Praxisversuch aufgelöst: Fehlende Kommunikation beweist nicht, dass da draußen niemand ist.

Für diesen wissenschaftlichen Beitrag sollten der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft bzw. die vielen betreffenden Ratsmitglieder auch den Wissenschaftspreis bekommen. Gerade dieser Beitrag zeigt doch auch die kommunalpolitischen Stärken der Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven. Es müssen nicht immer die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren durchaus sehenswerten Leistungen im Fokus stehen. Auch die Kommunalpolitik kann wissenschaftliche Wunder vollbringen, ohne es aktiv zu wollen oder zu begreifen.

Paradox bleiben jedoch die Bestrebungen der Kommunalpolitik, Wilhelmshaven als Wissenschaftsstadt zu titulieren, ohne effektiv mit den relevanten gesellschaftlichen Gruppen, den Institutionen und den Angehörigen der Wissenschaft zu kommunizieren. Noch paradoxer wird es, wenn selbst aktive Kontaktversuche wissenschaftlicher Organisationen unbeantwortet bleiben und Vorschläge zur Etablierung der Wissenschaftsstadt ignoriert werden. Damit kommen wir vom aufgelösten Fermi-Paradoxon zu einem lokalen „Wissenschaftsstadt-Paradoxon“. Dieses muss dringend aufgelöst werden – durch echte Kommunikation und eine daraus resultierende Kooperation.

Ausblick

Wir bemühen uns weiterhin um einen „Erstkontakt“ mit der noch schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven. Trotz der aktuellen Funkstille sind wir uns in den Zielen einig: Wilhelmshaven besitzt als Wissenschaftsstadt großes Potenzial, das wir gemeinsam entwickeln und fördern möchten. „Gemeinsam“ bedeutet für uns eine produktive Kooperation aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Wohle aller. Hierzu möchten wir als Astronomischer Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. sowie über das Astronomie Netzwerk Weser-Ems beitragen, wobei letzteres auch den Raum Bremen und Nordwest-Niedersachsen als Wissenschafts- und Zukunftsregion im Fokus hat.

Nach einem erfolgreichen Erstkontakt hoffen wir gemeinsam, die Stadt Wilhelmshaven zu einer „maritimen Wissenschaftsstadt“ zu entwickeln, welche die Zukunft der Region und darüber hinaus durch Wissenschaft und Forschung zum Wohle der Allgemeinheit mitgestaltet. Dafür bringen wir unser zentrales Zukunftsthema mit viel Potential für die Stadt Wilhelmshaven und die Region ein: Weltraumwirtschaft. Als Leuchtturmprojekt mit Wurzeln in der Gründerzeit von Wilhelmshaven bringen wir mit dem Projekt „AstroGeoSpace“ die Idee zur Errichtung eines modernen astronomisch-geowissenschaftlichen Observatoriums ein. Wir warten auf eine Antwort von unseren kommunalpolitischen Vertreterinnen und Vertretern aus der maritimen Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven! Hoffentlich kommt diese Antwort noch vor dem offiziellen „Tag des Ersten Kontakts“ (Star Trek, First Contact Day) am 5. April 2063!

Bild 2: Astrophysiker horcht nach Kommunikationssignalen aus dem Rathaus / Foto: Andreas Schwarz

Öffentliche Veranstaltungen zur Sonnenfinsternis am 12. August 2026 im Rahmen des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE)

Ein besonderes Highlight ist eine Sonnenfinsternis am 12. August 2026, welche am frühen Abend stattfindet. Über Island, Spanien und den Balearen ist sie als totale Finsternis zu sehen. Im restlichen Europa, darunter Deutschland, kann sie bei geeignetem Wetter als partielle Finsternis mit hohem Bedeckungsgrad gesehen werden.

Im Weser-Ems-Gebiet beginnt die partielle Sonnenfinsternis um 19:14 Uhr. Sie erreicht ihren Höhepunkt mit einem Bedeckungsgrad von 86,1 bis 86,6 Prozent um 20:09 Uhr. Beendet ist die Sonnenfinsternis um 21:00 Uhr, zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Zu Beginn der Sonnenfinsternis steht die Sonne etwa 15° über dem Horizont. Bei ihrem Höhepunkt gegen 20:09 Uhr steht die Sonne, je nach Standort in der Region Weser-Ems, nur noch 5,4° bis 6,4 ° über dem Horizont. Diese Höhe ist schon extrem tief und kritisch für eine Beobachtung. In dieser Höhe machen sich die Dunstschichten in der Atmosphäre sowie mögliche Luftunruhe besonders bemerkbar, was die Beobachtung stören kann.

Bild: Die partiellen Sonnenfinsternis am 29.03.2026 in Wilhelmshaven / Quelle: Michael Tolkmitt AVWF

Entstehung der Sonnenfinsternis

Sonne und Mond haben am Himmel etwa die gleiche Größe von einem halben Grad. Aufgrund der Neigung der Mondbahn gegenüber der Erdbahn läuft der Neumond in der Regel oberhalb oder unterhalb an der Sonne vorbei. Wenn sich der Mond jedoch im Schnittpunkt (im sogenannten Knoten) zwischen Erd- und Mondbahn befindet, kommt es zu einer Bedeckung. Der schmale Schattenkegel trifft allerdings nur einen sehr schmalen Bereich der Erdoberfläche. Bei der Sonnenfinsternis am 12.08.2026 sind das Island, Spanien und die Balearen. Außerhalb dieses Schattenkegels (wie z. B. in Westeuropa) wird die Sonne für einen Beobachter nur zum Teil (partiell) bedeckt und daher wird von einer partiellen Sonnenfinsternis gesprochen. Es gibt auch die Möglichkeit einer ringförmigen Sonnenfinsternis. In diesem Fall ist der Mond von der Erde weiter entfernt und dessen scheinbarer Durchmesser daher kleiner als der der Sonne. Der äußere Ring der Sonne ist dann zu sehen. Die Sonnenfinsternis am 12.08.2026 ist allerdings nicht ringförmig.

Öffentliche Veranstaltungen im Rahmen des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE)

Der Astronomie Club Ostfriesland e. V. und die Hochschule Emden/Leer laden am 12. August 2026 ab 19:00 Uhr zu einer öffentlichen Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis auf den Friesenhügel im Emden ein. Im Zuge dieses seltenen astronomischen Ereignisses wird die Arbeitsgruppe Optical Metrology unter der Leitung von Professor Philipp Huke Vorträge und Sonnenbeobachtungen für die Öffentlichkeit anbieten. Außerdem ist die Sonnenfinsternis eine Möglichkeit, neue selbstentwickelte Instrumente zu erproben. Zu diesem Zweck werden Mitglieder der Gruppe während der Sonnenfinsternis spektrale Aufnahmen der Sonne machen, um den Rossiter-McLaughlin-Effekt zu messen. Es gibt dazu am 11., 12. und 13. August 2026 ein umfangreiches Programm. Weitere Informationen finden sich unter nachfolgendem Link auf der Website der Hochschulen Emden/Leer: https://ilo-emden.de/research/optical-metrology/eclipse/

In Bremen findet am 12. August 2026 eine öffentliche Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis auf dem Aussichtspunkt Metalhenge statt. Weitere Informationen finden sich auf der Website https://metalhenge.de/aktuelles/#sofi_2026

Im Olbers-Planetarium Bremen wird ein Livestream von der totalen Sonnenfinsternis in Spanien gezeigt. Weitere Informationen hierzu auf der Website des Olbers-Planetariums: https://planetarium-bremen.de/. Des Weiteren können Besucherinnen und Besucher die partielle Sonnenfinsternis an der Walter-Stein-Sternwarte der Olbers-Gesellschaft e. V. Bremen mitverfolgen. Weitere Informationen hierzu auf deren Website: https://olbers-gesellschaft.de/

Die Volkssternwarte Langwedel e. V. bietet am 12. August 2026 ab 19:00 Uhr eine öffentliche Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis an. Weitere Informationen hierzu auf der Website der Volkssternwarte Langwedel: https://www.volkssternwarte-langwedel.de/

Die Astronomische Vereinigung Lilienthal e. V. lädt am 12. August 2026 ab 18:00 Uhr am Telescopium zu einer öffentlichen Beobachtung der Sonnenfinsternis ein. Weitere Informationen hierzu auf der Website der Vereinigung: https://www.avl-lilienthal.de/home.html

Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die Astro-AG der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und die Astronomische Vereinigung Oldenburger Sternfreunde führen in Kooperation mit der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e. V. (LEB), der Freien Schule Oldenburg und dem FSO-Förderverein am 12. August 2026 auf dem Hof dieser Freien Schule mit dem Tiny Observatorium eine öffentliche Beobachtung der Sonnenfinsternis durch. Weitere Informationen hierzu finden sich auf der Website der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: https://uol.de/pressemitteilungen/2026/083

Die Sternwarte Papenburg e. V. führt am 12.08.2026 ebenfalls eine öffentliche Beobachtung der Sonnenfinsternis durch. Weitere Informationen hierzu auf deren Website: https://www.sternwarte-papenburg.de/

Für Wilhelmshaven empfiehlt der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. (AVWF) eine Beobachtung der Sonnenfinsternis vom Deich aus, mit freiem Blick in Richtung Südwesten und Westen. Bei Fragen zur Sonnenfinsternis können der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. oder das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE) jederzeit sehr gerne kontaktiert werden.

Mitglieder des Astronomie Clubs Ostfriesland e. V. und des Astronomischen Vereins Wilhelmshaven-Friesland e. V. werden im Rahmen des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE) in Spanien am 12.08.2026 die totale Sonnenfinsternis beobachten. Zu der „Mission totale Sonnenfinsternis in Spanien“ und deren Ergebnissen wird es dann noch Berichte und Bilder geben.

Sicherheitshinweise

Für die Beobachtung der Sonne mit dem bloßen Auge ist eine spezielle Sonnenschutzbrille gemäß den Normen der Europäischen Union (EU) erforderlich. Diese Brillen sind mit dem CE-Symbol versehen. Für Teleskope gibt es spezielle Sonnenschutzfilter. Die Sonne kann mit Hilfe eines Feldstechers oder Teleskops auch projiziert werden. Niemals ohne Schutz in die Sonne schauen. Geschwärzte Gläser, Schweißerbrille oder Sonnenbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz!

Der Sternenhimmel im August 2026

Höhepunkt ist eine Sonnenfinsternis am 12. August 2026, welche am frühen Abend stattfindet.

Über Island, Spanien und den Balearen ist sie als totale Finsternis zu sehen. Im restlichen Europa, darunter Deutschland, kann sie bei geeignetem Wetter als partielle Finsternis mit hohen Bedeckungsgrad gesehen werden. Am Morgen des 28. August 2026 findet eine partielle und fast totale Mondfinsternis statt. Auf die Finsternisse wird noch ausführlicher in diesem Artikel eingegangen.

Die Sternbilder im August 2026

Bild 1: Der gesamte Sternenhimmel am 15.08.2026 um 22:00 Uhr / Quelle: Erstellt mit Stellarium

Die Sommersternbilder Leier (Lyra), Schwan (Cygnus) und Adler (Aquila) stehen sehr hoch am Sternenhimmel im Süden sehr hoch am Himmel. Ihre Hauptsterne Wega, Deneb und Altair bilden das Sommerdreieck und werden bereits zum Einbruch der Dunkelheit sichtbar. Der Stern Wega diente früher als Nullpunkt für die fotometrische Helligkeit und ist nach Sirius der zweithellste Stern am Himmel. Sie ist etwa 25 Lichtjahre entfernt und hat die 2,2-fache Masse der Sonne. Als bläulich-weißer Stern strahlt sie etwa 37-mal heller als unsere Sonne. Deneb ist ein heißer Überriese, im Übergangsbereich vom „Blauen Riesen“ zum „Roten Riesen“ mit dem 20- bis 25-fachen der Masse der Sonne. Mit einer Entfernung von etwa 1500 Lichtjahre ist Deneb deutlich weiter entfern als Wega und Altair. Der Stern Altair hat etwa das 1,8-fache der Masse der Sonne und ist rund 16 Lichtjahre entfernt.

Im Sternbild Leier befindet sich ein Ringnebel. Dieser entsteht, wenn massenärmere Sterne am Ende ihres Lebens als Rote Riesen die äußere Hülle abstoßen. Übrig bleiben ein sogenannter weißer Zwergstern und ein sogenannter planetarischer Nebel, welcher sich in einigen Zehntausend Jahren auflöst. Der Kopfstern im Schwan, Albireo, ist ein Doppelstern. Nicht sicher geklärt ist, ob es sich um einen echten physikalischen Doppelstern (beide Sterne sind gravitativ aneinandergebunden) oder um einen optischen Doppelstern (beide Sterne stehen nur in derselben Blickrichtung) handelt. Albireo A ist ein orangefarbener Riese und Albireo B ist ein blau-weißer Stern. Schon mit Teleskopen ab 5 cm Öffnung kann der Doppelstern getrennt werden und ist daher ein lohnenswertes Beobachtungsobjekt.

Im Südosten geht das Sternbild Wassermann (Aquarius) auf. Tief im Süden steht das Sternbild Schütze (Sagittarius). Von der Erde aus gesehen befindet sich im Schützen das Zentrum der Milchstraße (Galaxis), welches ein sogenanntes „Supermassives Schwarzes Loch“ von vier Millionen Sonnenmassen beherbergt. Die Milchstraße verläuft im August von Südwesten nach Nordosten über den Sternenhimmel und ist nur in klaren Nächten ohne Lichtverschmutzung zu sehen. Das Sternbild Steinbock (Capricornus) steht zwischen Wassermann und Schütze.

Im Südwesten befindet sich das Sternbild Herkules (Hercules), welches den bekannten Kugelsternhaufen M13 beherbergt. Dieser umfasst rund 500.000 Sterne und ist rund 25.000 Lichtjahre entfernt. Im Herkules findet sich auch der Kugelsternhaufen M92, welcher etwa 290.000 Sonnenmassen beinhaltet und rund 26.000 Lichtjahre entfernt ist. Westlich vom Herkules finden sich die Sternbilder Nördliche Krone (Corona Borealis) und Bärenhüter (Bootes). Unterhalb des Herkules steht das Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus), durch welches die Sonne scheinbar vom 30. November bis zum 18. Dezember läuft. In der Astrologie wird der Schlangenträger allerdings nicht als 13. Tierkreiszeichen berücksichtigt

Im Osten kündigen sich mit den Sternbildern Andromeda (Andromeda) und Pegasus (Pegasus) bereits die Herbststernbilder an. Im Sternbild Andromeda befindet sich die Andromeda-Galaxis, welche bei klarem Himmel und ohne Lichtverschmutzung sogar mit bloßem Auge zu sehen ist. Schon in einem Feldstecher kann sie gut beobachtet werden. Tief im Osten erscheint das Sternbild Fische (Pisces).

Die Planeten im August 2026

Die Planeten lassen sich im August 2026 alle am Sternenhimmel finden, wobei Jupiter allerdings erst im Laufe des Monats wieder am Morgenhimmel auftaucht.

Der Planet Merkur erreicht am 2. August seine größte westliche Elongation von der Sonne und kann in der ersten Monatshälfte am Morgenhimmel aufgefunden werden. Seine Helligkeit nimmt dabei zu, was das Auffinden des Planeten erleichtert. Allerdings bewegt sich Merkur immer mehr auf die Sonne zu und wird damit in der zweiten Monatshälfte unbeobachtbar. Am 11. August steht die extrem schmale Sichel des abnehmenden Mondes beim Merkur, und um den 15. August kommt es zu einer engen Begegnung mit Jupiter.

Die Venus erreicht am 15. August als Abendstern mit einem Winkelabstand von über 45° ihre größte östliche Elongation von der Sonne. Zwar nimmt ihre Helligkeit zu, doch aufgrund ihrer zunehmend früheren Untergänge verschlechtern sich ihre Sichtbarkeitsbedingungen allmählich. Am Anfang des Monats geht sie noch gegen 22:30 Uhr unter, am Ende des Monats schon gegen 21:00 Uhr.

Der Mars steht am Morgenhimmel. Zunächst befindet er sich noch im Sternbild Stier (Taurus) und wechselt am 12. August in das Sternbild Zwillinge (Gemini) über. Zu Monatsbeginn geht der Mars gegen 02:00 Uhr auf, in der Mitte des Monats gegen 01:30 Uhr. Seine Helligkeit nimmt im Verlauf des Monats leicht zu. Am 9. August kommt es zur Begegnung zwischen dem Mars und dem abnehmenden Mond.

Der Jupiter stand im Juli in Konjunktion mit der Sonne und ist daher erst gegen Ende August wieder am Morgenhimmel zu finden. Ab dem 15. August kann Jupiter in der Morgendämmerung von erfahrenen Beobachterinnen und Beobachtern aufgefunden werden. Am 15. August geht Jupiter gegen 05:00 Uhr auf und am 31. August gegen 04:15 Uhr.

Der Saturn wird zunehmend ein Planet des Abendhimmels und bewegt sich im August rückläufig im Sternbild Fische. Im Oktober erreicht er seine Oppositionsstellung zur Sonne. Am 1. August geht Saturn gegen 23:15 Uhr auf, am 15. gegen 21:20 Uhr und am 31. gegen 21:10 Uhr. In der Nacht vom 3. auf den 4. August kommt es zu einer Begegnung Saturns mit dem abnehmenden Mond.

Der Uranus steht im Sternbild Stier am Morgenhimmel. Er befindet sich knapp an der Sichtbarkeitsgrenze für das bloße Auge. Aufgrund der Beobachtungsbedingungen kann er allerdings nur als ein kleiner, grünlich leuchtender Punkt im Fernglas gefunden werden. Am 1. August geht Uranus gegen 01:00 Uhr auf, am 15. gegen 00:00 Uhr und am 31. gegen 23:00 Uhr.

Der Neptun bewegt sich wie Saturn rückläufig im Sternbild Fische und nähert sich seiner Oppositionsstellung zur Sonne, welche er im September erreichen wird. Am 1. August geht Neptun gegen 22:50 Uhr auf, am 15. gegen 21:50 Uhr und am 31. gegen 20:50 Uhr. Der noch fast volle Mond befindet sich am 30. August nahe bei Neptun.

Sonnen- und Mondfinsternis

Im Weser-Ems-Gebiet beginnt die partielle Sonnenfinsternis um 19:14 Uhr. Sie erreicht ihren Höhepunkt mit einem Bedeckungsgrad von 86,1 bis 86,6 Prozent um 20:09 Uhr. Beendet ist die Sonnenfinsternis um 21:00 Uhr zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Zu Beginn der Sonnenfinsternis steht die Sonne etwa 15° über dem Horizont. Bei ihrem Höhepunkt gegen 20:09 Uhr steht die Sonne je nach Standort in der Region Weser-Ems nur noch 5,4° bis 6,4° über dem Horizont. Diese Höhe ist schon extrem tief und kritisch für eine Beobachtung. In dieser Höhe machen sich die Dunstschichten in der Atmosphäre sowie mögliche Luftunruhe besonders bemerkbar, was die Beobachtung stören kann.

Die partielle Mondfinsternis findet in der Nacht vom 27. auf den 28. August 2026 statt. Sie kann allerdings nur in ihrer ersten Hälfte von Mitteleuropa aus beobachtet werden. Zum Höhepunkt der Finsternis gegen 06:13 Uhr befinden sich 93 Prozent des scheinbaren Durchmessers des Vollmondes im Kernschatten der Erde. Der Untergang des Mondes erfolgt gegen 06:36 Uhr.

Die Meteorströme im August 2026

Im August 2026 sind mehrere Meteorströme sichtbar. Die Perseiden sind ein sehr bekannter Sternschnuppenschauer und erreichen ihren Höhepunkt in der Nacht vom 12. auf den 13. August. Ihr Radiant liegt im Sternbild Perseus. Im Maximum sind bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde zu sehen. Diese Meteore gehen auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück. Mit einer Geschwindigkeit von rund 60 km/s sind die Meteoriden vergleichsweise schnell. Des Weiteren sind sie ziemlich hell, und auch Boliden bzw. Feuerkugeln kommen vor.

Im Sternbild Wassermann sind mit dem Antihelion-Komplex und den Delta-Aquariden zwei Meteorströme aktiv. Mit dem Radianten im Steinbock sind noch die Alpha-Capricorniden zu beobachten. Die Kappa-Cygniden haben ihren Radianten im Sternbild Schwan und erreichen am 18. August mit etwa fünf Meteoren pro Stunde ihren Höhepunkt. Sie haben eine Geschwindigkeit von rund 25 km/s und sind nicht besonders auffällig. Mit vereinzelten Meteoren sind die Eta-Eridaniden ein besonders schwacher Strom, welcher seinen Höhepunkt um den 8. August erreicht. Die Aurigiden sind in der letzten Nacht des Augusts zu beobachten, wobei im Jahr 2026 keine besonders hohen Meteorraten erwartet werden.

Bild 2: Der Sternenhimmel in Richtung Süden am 15.08.2026 um 22:00 Uhr / Quelle: Erstellt mit Stellarium

Mission „Abenteuer Weltraum“ 2. Halbjahr 2026

Im zweiten Halbjahr 2026 bietet der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. (AVWF) insgesamt vier Vortragsveranstaltungen an verschiedenen Orten sowie vier Astronomie-Treffen im Jade InnovationsZentrum (JIZ) in Wilhelmshaven an. Beim Astronomie-Treffen werden unter anderem auch Kurzvorträge, Workshops und – im Rahmen des Maritimen Jade Observatoriums bei geeignetem Wetter – astronomische Beobachtungen mit mobilen Teleskopen von der Dachterrasse des JIZ durchgeführt.

Die Veranstaltungen des AVWF sind für alle offen zugänglich und kostenlos. Vorschläge von unseren Gästen für weitere Veranstaltungen und Vorträge sind ausdrücklich willkommen. Das Abenteuer Weltraum steht nicht nur jedem offen, sondern auch dessen Gestaltung.

Mitaufgeführt sind auch die Gastbeiträge des AVWF bei den Verbundmitgliedern des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE). Neben dem Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V., besteht das ANWE aus weiteren zehn astronomischen Vereinigungen, einer astronomischen Stiftung, fünf Hochschulen und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Kurse, Vorträge und Veranstaltungen 2. Halbjahr 2026

08.09.2026 ab 19:00 Uhr; Astronomie-Treffen / Maritimes Jade Observatorium (Austausch zur Astronomie in Theorie und Praxis und bei geeignetem Wetter astronomische Beobachtungen); Jade InnovationsZentrum (JIZ), Emsstraße 20, 26382 Wilhelmshaven; Öffentliche Veranstaltung; Eintritt frei.

21.09.2026; ab 19:30 Uhr; Vortrag: „Abenteuer Gasplaneten und Monde“: Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Musikkneipe Schwarzer Bär, Bismarckstraße 179a, 26832 Wilhelmshaven; Eintritt frei.

26.09.2026; ab 18:00 Uhr; Gesellige Vortragsveranstaltung „Herausforderung Weltall“; Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; mit astronomischen Beobachtungen, Grillspeisen und Getränken; Bürgerbegegnungsstätte Roffhausen, Göttinger Straße 6, 26419 Schortens-Roffhausen; Eintritt frei. Die Speisen und Getränke werden zu einem sehr günstigen Preis angeboten. Diese Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Astronomie Club Ostfriesland e. V. und dem Sportverein Grüngelb Roffhausen e. V. durchgeführt.

13.10.2026; ab 19:00 Uhr; Astronomie-Treffen / Maritimes Jade Observatorium (Austausch zur Astronomie in Theorie und Praxis und bei geeignetem Wetter astronomische Beobachtungen); Jade InnovationsZentrum (JIZ), Emsstraße 20, 26382 Wilhelmshaven; Öffentliche Veranstaltung; Eintritt frei.

24.10.2026; ab 19:00 Uhr; Vortrag „Astrobiologie“; Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Treff – Auf Siebethsburg, Störtebekerstraße 14 C, 26386 Wilhelmshaven; Eintritt frei.

10.11.2026; ab 19:00 Uhr; Astronomie-Treffen / Maritimes Jade Observatorium (Austausch zur Astronomie in Theorie und Praxis und bei geeignetem Wetter astronomische Beobachtungen); Jade InnovationsZentrum (JIZ), Emsstraße 20, 26382 Wilhelmshaven; Öffentliche Veranstaltung; Eintritt frei.

23.11.2026; ab 19:30 Uhr; Vortrag: Abenteuer Merkur und Venus; Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Musikkneipe Schwarzer Bär, Bismarckstraße 179a, 26832 Wilhelmshaven; Eintritt frei.

08.12.2026; ab 19:00 Uhr; Astronomie-Treffen / Maritimes Jade Observatorium (Austausch zur Astronomie in Theorie und Praxis und bei geeignetem Wetter astronomische Beobachtungen); Jade InnovationsZentrum (JIZ), Emsstraße 20, 26382 Wilhelmshaven; Öffentliche Veranstaltung; Eintritt frei.

Gasvorträge bei den Verbundpartnern des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE)

28.07.2026; ab 19:00 Uhr; Vortrag: „Astrobiologie“: Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Bremerhavener Sternfreunden e. V.; Planetarium Bremerhaven, Bussestraße 24, 27570 Bremerhaven; Eintritt frei.

17.10.2026; ab 16:00 Uhr; Vortrag: „Abenteuer Astronomie“: Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Astronomie Club Ostfriesland e. V.; Dorfgemeinschaftshaus, Mittelweg 38, 26639 Zwischenbergen; Eintritt frei. Hinweis: Thema und Uhrzeit können noch variieren, werden jedoch rechtzeitig vorher bekanntgegeben.

02.12.2026; ab 19:30 Uhr; Vortrag: „Abenteuer Mond“: Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz; Olbers Gesellschaft Bremen e. V.; Olbers-Planetarium, Werderstraße 73 28199 Bremen; Eintritt: 5,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro.

Weitere Gastvorträge sind in Planung und werden ebenfalls rechtzeitig vorher bekanntgegeben!

Aktuelle und ausführliche Informationen sowie mögliche Änderungen zu den Veranstaltungen und Vorträgen unter Termine auf dieser Website!

Vor 50 Jahren: Viking 1 und 2 landen erfolgreich auf dem Mars

Mit der erfolgreichen Landung eines Landers im Rahmen der Viking-1-Mission am 20. Juli 1976 auf dem Mars gelang erstmals die direkte Erforschung der Marsoberfläche. Die bisherigen Landeversuche der ehemaligen Sowjetunion im Rahmen des Mars-Programms waren gescheitert. Ein weiterer Lander setzte im Rahmen der Viking-2-Mission am 3. September 1976 erfolgreich auf dem Mars auf. Über viele Jahre sendeten Lander und Orbiter Daten zur Erde und lieferten so wertvolle Erkenntnisse über den Mars. Erst im Rahmen der NASA-Raumfahrtmission Pathfinder setzte am 4. Juli 1997 wieder ein Lander so erfolgreich auf der Oberfläche des Mars auf und sendete Tausende von Bildern zur Erde. Nachfolgend ein Überblick über die sehr erfolgreichen Missionen von Viking 1 und 2.

Bild 1: Künstlerische Darstellung von Viking 1 auf dem Mars / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Die ersten Raumfahrtmissionen zum Mars

Seit Oktober 1960 versuchte die damalige Sowjetunion, mit Raumsonden den Mars zu erreichen. Jedoch erst der achte Versuch mit Mars 2 im Jahr 1971 war erfolgreich. Der Orbiter sendete Bilder und Daten zur Erde, der Lander zerschellte jedoch auf der Marsoberfläche. Fast zeitgleich erreichte auch Mars 3 den Planeten. Die weiche Landung des Landers am 02. Dezember 1971 glückte zwar diesmal, doch brach bereits nach wenigen Sekunden der Kontakt ab. Die sowjetische Raumsonde Mars 5 erreichte als Orbiter Anfang Februar 1974 den Mars und ermittelte Daten. Die Missionen mit Mars 1, 4, 6 und 7 scheiterten. Während die sowjetischen Raumfahrtmissionen zur Venus im Ergebnis sehr erfolgreich waren, hatten sie mit ihren Missionen zum Mars wenig Erfolg. Die letzten zwei sowjetischen Raumfahrtmissionen, Phobos 1 und 2, scheiterten in den Jahren 1988/89 ebenfalls.

Der erste Versuch der USA im Jahre 1964, mit Mariner 3 den Mars zu erreichen, scheiterte noch. Doch schon die im selben Jahr gestartete Mission Mariner 4 war erfolgreich. Im Juli 1965 erreichte die US-Raumsonde den Mars, flog in einem Abstand von 9.800 km an ihm vorbei und sendete 22 Bilder zur Erde. Die US-Raumsonden Mariner 6 und 7 passierten den Mars am 31. Juli 1969 und am 5. August 1969. Mariner 6 flog in einem Abstand von 3.430 km am Mars vorbei und sendete 75 Bilder. Mariner 7 flog in einem Abstand von 3.430 km vorbei und sendete 126 Bilder. Die Missionen von Mariner 4, 6 und 7 zeigten zunächst eine überwiegend mit Kratern durchsetzte Marsoberfläche. Es wurden keinerlei Spuren von Leben entdeckt. Die US-Raumsonde Mariner 9 erreichte als Orbiter im November 1971 den Mars. Diese führte eine globale Kartierung der Marsoberfläche mit 7.329 Aufnahmen durch und studierte die Atmosphäre des Mars. Jetzt zeigten sich auch interessantere Oberflächendetails und dass der Mars zwei verschiedene Hemisphären hat.

Die Viking-Mission

Die baugleichen Raumsonden Viking 1 und 2 bestanden aus einem Orbiter und einem Lander. Der Orbiter bestand aus einem achteckigen Ring von etwa zwei Meter Durchmesser und einem halben Meter Höhe. Innerhalb des Ringes war der Lander befestigt. Zudem befanden sich dort die Instrumente für die Kommunikation und die Messungen. Oberhalb des Landers befanden sich der Treibstoff und die Triebwerke. Die Energieversorgung erfolgte über Sonnenpaneele. Die Landekapsel war von einem aerodynamischen und einem biologischen Schutzschild umgeben. Der aerodynamische Schutzschild schützte die Landeeinheit vor mechanischer und thermischer Zerstörung bei der Landung, während der biologische Schutzschild eine mögliche Kontamination durch von der Erde mitgeführte Mikroben verhindern sollte.

Bild 2: Der Viking-Orbiter mit seinem Lander / Quelle: NASA

Die Viking-Mission sollte die Beschaffenheit und Zusammensetzung der Marsatmosphäre und -oberfläche untersuchen. Im Falle der Marsatmosphäre betraf dies unter anderem Druck, Temperatur, Wassergehalt und Winde. Die Landemodule untersuchen zudem die Eisenverbindungen in der Marsoberfläche und führten seismische Messungen durch. Mit der aktiven Suche nach dem Leben auf dem Mars stellte das Viking-Programm auch die erste astrobiologische Mission zu einem Planeten dar. Es wurden drei biochemische Experimente zum Nachweis von möglichen biologischen Aktivitäten und ein gaschromatographisches Experiment zur Detektion von organischen Verbindungen durchgeführt.

Bild 3: Die Instrumente des Viking-Orbiters / Quelle: NASA

Die am 20. August 1975 gestartete US-Raumsonde Viking 1 erreichte am 19. Juni 1976 den Planeten Mars. Der zugehörige Lander setzte am 20. Juli 1976 erfolgreich auf der Marsoberfläche in der Region Chryse Planitia auf und lieferte zahlreiche Messwerte und Bilder. Die US-Raumsonde Viking 2, welche am 9. September 1975 gestartet wurde, erreichte am 7. August 1976 den Mars. Der Lander setzte am 3. September 1976 erfolgreich in der Region Utopia Planitia auf. An Bord der Lander befanden sich ein Labor zur Untersuchung von Bodenproben und eine Wetterstation. Insgesamt wurden von der Mission etwa 100.000 Bilder erstellt. Der Orbiter von Viking 1 sendete rund vier Jahre lang Bilder und Daten, sein zugehöriger Lander sogar rund sechs Jahre lang (bis November 1982). Im Falle von Viking 2 sendete der Orbiter rund zwei Jahre lang Daten und Bilder, während sein zugehöriger Lander rund dreieinhalb Jahre aktiv blieb.

Bild 4: Ein aus vielen Einzelbildern der Viking-Orbiter zusammengesetztes Bild vom Mars / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Die Landung von Viking 1 auf dem Mars

Die Raumsonde Viking 1 schwenkte am 19. Juni 1976 erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Der zugehörige Lander sollte zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) am 04. Juli 1976 sicher auf der Marsoberfläche aufsetzen. Nach einer geologischen Auswertung von Aufnahmen des Mars-Orbiters Mariner 9 wurde ein Landegebiet in der Ebene „Chryse Planitia“ ausgewählt. Für diese „Ebene des Goldes“ waren folgende Kriterien entscheidend: eine flache Ebene, welche früher einmal überflutet war und damit ein geeigneter Ort für die Suche nach Leben gewesen wäre.

Vor der Landung erkundete die leistungsfähige Kamera von Viking 1 noch einmal die Ebene detailreicher und schärfer als im Rahmen der Mariner-9-Mission. Das vorgesehene Landegebiet war mit Kratern übersät und damit ungeeignet für ein sicheres Aufsetzen auf der Marsoberfläche. Infolgedessen wurde der Viking-Orbiter instruiert, nach neuen, geeigneten Landesplätzen zu suchen. Es wurde Tag und Nacht daran gearbeitet und dabei rund 800 Bilder ausgewertet. Trotz der relativ großen Auflösung der Kamera konnten nicht alle Felsbrocken und Spalten erkannt werden, sodass eine Unsicherheit blieb. Zusätzlich wurden Radar-Messungen von der Erde aus durchgeführt, um mögliche Bodenunebenheiten zu erfassen. Insgesamt wurde eine Fläche von der Größe des US-Bundesstaates Texas abgesucht, dabei drei mögliche Landegebiete verworfen, bis am 19. Juli 1976 ein Landeplatz am Rande der Chryse Planitia festlag. Dieser Ort war etwa 900 km vom ursprünglich geplanten Landesplatz entfernt. Der ursprünglich vorgesehene Landestermin am 04. Juli 1976 konnte nicht mehr gehalten werden.

Als neuer Landetermin wurde der 20. Juli 1976 festgelegt, genau sieben Jahre nach dem ersten Betreten des Mondes durch die Astronauten Neil Armstrong und Edwin E. Aldrin im Rahmen der Apollo-11-Mission. Am frühen Morgen des 20. Juli 1976 funkte die Flugkontrolle am Jet Propulsion Laboratory (JPL) einen entsprechenden Befehl in Form eines einzigen Codewortes an den Computer von Viking 1. Aufgrund einer Entfernung von 300 Millionen Kilometern zwischen der Bodenstation auf der Erde und der Raumsonde Viking 1 im Marsorbit dauerte es 19 Minuten, bis der Befehl ankam und ein vorprogrammiertes Instruktionsprogramm auslöste. Der Lander wurde zunächst durch ein Sprungfedersystem vom Orbiter abgekoppelt, bevor in sicherer Entfernung durch das Zünden von kleineren Raketen am Rande der aerodynamischen Schutzkapsel die Landeeinheit im Raum gebremst und ausgerichtet wurde. Dadurch konnte die Landeeinheit durch die Marsgravitation zur Oberfläche des Planeten gezogen werden.

Der Landeabstieg dauerte rund 3,25 Stunden, wobei sich die Landeeinheit einen Großteil dieser Zeit im freien Fall befand. Erst beim Erreichen der oberen Marsatmosphäre wurde die Landekapsel so ausgerichtet, dass ihr Hitzeschild den richtigen Eintrittswinkel zur Marsatmosphäre einnahm. Durch den Luftwiderstand entstanden Temperaturen von bis zu 1.500 °C, welche durch die korkähnliche Beschichtung des Hitzeschildes abgeschirmt wurden. Die Landeeinheit wurde durch den Luftwiderstand und durch den aufgrund des Eintrittswinkels bedingten Auftrieb weiter abgebremst. Damit wurde sichergestellt, dass die Landekapsel nicht zu schnell und zu steil in die Atmosphäre eindrang. In einer Höhe von ungefähr sechs Kilometern öffnete sich ein Fallschirm mit 18 Metern Durchmesser, der die Abstiegsgeschwindigkeit auf etwa 150 km/h senkte. Zusätzlich wurden in etwa 1,4 Kilometern Höhe drei Bremsraketen gezündet, damit die Landeeinheit von Viking 1 so sanft wie möglich aufsetzen konnte.

Erfolgreiche Landung von Viking 1 auf dem Mars

Erst 19 Minuten später konnte der NASA-Flugkontrolleur Richard A. Bender melden: „Aufgesetzt. Die Sonde hat aufgesetzt!“ Der Lander von Viking 1 hatte erfolgreich am Westrand der Chryse Planitia aufgesetzt, auf 22,3° nördlicher Marsbreite und 47,5° westlicher Marslänge. Der Landeplatz befand sich ganz in der Nähe des Zielortes.

Direkt nach dem Aufsetzen wurde das erste Bild von einem der drei Fußteller der Landebeine gemacht, um die Standfestigkeit der Landeeinheit und die Funktionstüchtigkeit der Kamera zu prüfen. Das Ergebnis war positiv: Der Lander stand stabil und die Kamera zeigte sehr klar sogar kleine Einzelheiten wie die erbsengroßen Nieten auf dem Fußteller und feine Geröllsteinchen. Danach wurde die Stereo-Farbkamera eingesetzt, um ein Panoramabild von der Marsoberfläche zu erhalten. Sie befand sich etwa 1,5 Meter über dem Boden, sodass es in etwa der Sicht eines stehenden Menschen entsprach. Das Bild wurde Zeile für Zeile übertragen, was 36 Minuten dauerte. Die erste Panoramaaufnahme überdeckte einen Winkel von 300°. Die Kameras konnten auch Schwarz-Weiß- und Infrarotaufnahmen erstellen und übermitteln.

Bild 5: Der Fußteller eines der Landebeine von Viking 1 / Quelle: NASA/JPL-Caltech

In der Ferne waren Sanddünen zu sehen, dazu eine Vertiefung, welche vermutlich von einem erodierten Krater herrührte. Des Weiteren zeigte das Bild helle Flecken einer feineren Bodenstruktur und einige flache Kämme. Überall verstreut lagen Felsbrocken, welche zum Teil Durchmesser von mehreren Metern hatten. Ein drei Meter großer Felsbrocken war nur zehn Meter vom Landeplatz entfernt und bekam den Namen „Big Joe“. Wenn der Lander auf diesem Felsbrocken gelandet wäre, hätte es wahrscheinlich eine Bruchlandung gegeben.

Bild 6: Der Felsbrocken „Big Joe“ / NASA/JPL-Caltech

Der sichtbare Horizont war etwa drei Kilometer entfernt. Das Gesamtbild sah fast aus wie eine Wüstenlandschaft im Südwesten der USA. Hierzu führte der Astrophysiker Carl Sagan in seinem Buch „Unser Kosmos“ aus: „Das war keine fremde Welt. Ich selber kannte ganz ähnliche Orte in Arizona, Colorado und Nevada. Felsen, Flugsand und eine Anhöhe in der Ferne wirkten ebenso harmlos und natürlich wie irgendeine Landschaft auf der Erde. Mars war ein greifbarer, ein begreifbarer Ort. Natürlich hätte es mich erstaunt, plötzlich einen ergrauten Goldgräber mit seinem Maultier um eine Düne biegen zu sehen, andererseits hätte er durchaus ins Bild gepasst.“ Er führte noch weiter aus: „In all den Stunden, die ich über der Analyse der Venera-9- und -10-Aufnahmen von der Venusoberfläche zugebracht hatte, wäre mir dergleichen nie in den Sinn gekommen. In diesem Fall (Mars) jedoch hatte ich das unabweisbare Gefühl, dass wir auf die eine oder andere Weise zurückkehren würden.“ Mit diesem Gefühl hatte Carl Sagan vollkommen recht. Zwar fand erst rund 20 Jahre später die nächste Mission einer Raumsonde zum Mars statt. Seitdem sind wurden zahlreiche weitere unbemannte Missionen zum Mars geschickt. Darunter befanden sich auch Missionen mit fahrenden Rovern auf der Marsoberfläche und sogar mit einem kleinen Helikopter. Mehr als ein Dutzend davon verliefen erfolgreich und lieferten sehr wertvolle Erkenntnisse vom roten Planeten.

Bild 7: Das erste Farbbild vom Mars / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Der Marshimmel erschien auf den Bildern nicht blau, sondern rötlich. Die Ursache hierfür sind relativ große, eisenoxidhaltige Staubteilchen in der Marsatmosphäre, welche aufgrund der sehr dünnen Atmosphäre federführend für die Streuung des Lichtes verantwortlich sind. Hierbei streuen die Staubteilchen vor allem den rötlichen Anteil des Lichtes. Regelmäßige starke Stürme wirbeln diese Staubteilchen immer wieder in die Atmosphäre, wo sie dann monatelang verbleiben. Übrigens erscheint der Himmel auf der Erde nach einem Sandsturm aus dem gleichen Grund gelblich und die Auf- und Untergänge der Sonne besonders rötlich. Der Marshimmel zeigt also im Ergebnis dieselbe rötliche Färbung wie das Marsgestein, nur ist diese Färbung schwächer.

Der Marsboden zeigte sich gleichmäßig rot, während die Farben der Felsen zwischen grauen und rötlichen Tönen schwankten. Untersuchungen mit dem Röntgenfluoreszenz-Spektrometer ergaben, dass der Marsboden zu zwei Dritteln aus Silizium und Eisen besteht. Der mechanische Greifarm des Landers verfügte über einen Magneten und zog die Bodenproben an, was ebenfalls ein Beweis für einen sehr hohen Eisengehalt war. Die rötliche Färbung des Marsbodens kommt durch Eisenoxid zustande – also durch Rost.

Bild 8: Der Lander von Viking 1 auf dem Mars / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Die Landung vom Viking 2 auf dem Mars

Die Raumsonde Viking 2 schwenkte am 7. August 1976 in eine elliptische Umlaufbahn um den Mars ein. Ihr Lander erreichte am 3. September 1976 ebenfalls erfolgreich den Marsboden in der staubigen roten Ebene „Utopia Planitia“. Die Koordinaten des Landeplatzes lagen bei 47,9° nördlicher Marsbreite und 225,7° westlicher Marslänge. Damit befanden sich die Landeplätze von Viking 1 und 2 fast genau auf der jeweils gegenüberliegenden Seite des Planeten.

Das Landegebiet von Viking 2 war geologisch betrachtet eine Tiefebene und lag in höheren Breitengraden. Dort könnte es früher einmal flüssiges Wasser gegeben haben. Deshalb schien das Gebiet noch besser geeignet zu sein, um nach Leben zu suchen, als der Landeplatz von Viking 1. Allerdings lieferten die Experimente von beiden Landeeinheiten vergleichbare, widersprüchliche Ergebnisse.

Bild 9: Der Lander von Viking 2 auf dem Mars / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Die wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Mars

Die Lander von Viking 1 und 2 waren mit verschiedenen wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet. Über Antennen konnten sie entweder mit dem Viking-Orbiter oder direkt mit der Erde kommunizieren, um Bilder sowie wissenschaftliche Daten zu übermitteln. Die Lander verfügten über folgende Einrichtungen:

  • Biologisches Labor (für drei verschiedene Experimente zur Lebenssuche)
  • Gaschromatograph-Massenspektrometer (GC-MS) (zur Analyse organischer Moleküle)
  • Röntgenfluoreszenz-Spektrometer (zur Bestimmung der chemischen Elemente im Boden)
  • Stereo-Farbkameras
  • Instrumente zur Untersuchung der physikalischen und magnetischen Eigenschaften des Bodens
  • Wetterstation (zur Messung von Temperatur, Windrichtung, Windgeschwindigkeit und atmosphärischem Druck)
  • Instrumente für die Landephase (zur Untersuchung der aerodynamischen Eigenschaften und der Zusammensetzung der oberen Marsatmosphäre)

Bild 10: Die Einrichtungen und Instrumente des Viking-Landers / Quelle: NASA

Schon kurz nach der Landung wurde der meteorologische Messarm mit den meteorologischen Sensoren ausgefahren, um das Marswetter zu erforschen. Der erste Marswetterbericht vom Viking-1-Lander lautete: „Schwacher Wind aus östlicher Richtung am Spätnachmittag, nach Mitternacht auf Südost drehend. Maximale Windgeschwindigkeit 24 km/h. Temperaturen von -85 °C bis -28 °C, doch ist anzunehmen, dass dies nicht das Maximum ist. Druck gleichbleibend bei 7,70 Millibar.“ (Quelle: John N. Wilford; Mars – Unser geheimnisvoller Nachbar; Birkhäuser Verlag 1992). Zu dieser Zeit herrschte auf der Nordhalbkugel des Mars Sommer.

Während die Windgeschwindigkeiten im irdischen Bereich lagen, galt dies für die niedrigen Temperaturen und den äußerst geringen Luftdruck natürlich nicht. Die Kameras erfassten zwar kleine Wölkchen am Marshimmel und morgens Reif auf der Marsoberfläche, jedoch keine Niederschläge. Angesichts der extremen Druck- und Temperaturverhältnisse auf dem Mars kann kein flüssiges Wasser auf der Oberfläche existieren, weshalb auch kein Regen entstehen und gemessen werden kann.

Bild 11: Raureif auf der Marsoberfläche /Quelle: NASA/JPL-Caltech

Am 28. Juli 1976 wurde der Greifarm der Landeeinheit zum ersten Mal per Funkbefehl von der Erde eingesetzt. Dieser konnte bis auf drei Meter vom Lander ausgefahren werden, um den Marsboden aufzuschürfen und Bodenproben zu entnehmen. Diese Proben wurden anschließend geologisch und biologisch untersucht. Jede Schürfstelle und jede Gesteinsprobe wurden von den Kameras festgehalten, um die mechanischen Eigenschaften des Bodens zu bestimmen. Dabei stellte sich heraus, dass der Marsboden eine ähnliche Festigkeit und Konsistenz wie feuchter Ackerboden auf der Erde besitzt. Wie bei Ackerkrume verklumpen auch auf dem Mars kleinere Partikel zu größeren Brocken. Die Wände der flachen, geschürften Gräben blieben senkrecht stehen und stürzten kaum ein.

Bild 12: Die Schürfspuren vom Greifer des Viking-1-Landers / Quelle: NASA/JPL-Caltech

An einigen Stellen hatte der Wind den eisenoxidhaltigen Staub weggeblasen, sodass graues Gestein zum Vorschein kam. Fotografische Untersuchungen zeigten bei manchen Felsen eine vesikulöse Struktur. Sie sind von winzigen Bläschen durchsetzt, bei welchen es sich um Hohlräume im Gestein handelt. Diese entstehen durch entweichende, zuvor eingeschlossene Gase beim Abkühlen der Schmelze. Die grobporigen Felsen haben sich vermutlich aus Lava gebildet, als der Mars noch geologisch aktiv war. Diese Lava wurde durch die damals aktiven Vulkane an die Oberfläche gefördert. Das Grundgestein war vermutlich aus alten Lavaströmen entstanden. Nach heutigem Wissensstand gibt es keinen aktiven Vulkanismus mehr auf dem Mars.

Bild 13: Der erloschene Marsvulkan „Olympus Mons“ / Quelle: NASA/JPL-Caltech

Die astrobiologischen Experimente auf dem Mars

Die Viking-Mission war die erste astrobiologische Mission zu einem fremden Planeten. Die biologischen Labore der Viking-Lander maßen 30 × 35 × 27 Zentimeter und bestanden aus drei voneinander getrennten Versuchseinrichtungen. Jedes dieser Minilabore wurde nach den Vorgaben eines eigenen wissenschaftlichen Teams von der TRW Corporation in Redondo Beach, Kalifornien, gebaut und führte eigenständige Versuche unter verschiedenen Voraussetzungen durch.

Ausgangspunkt aller Experimente waren angenommene Stoffwechselprozesse potenzieller Organismen. Der Stoffwechsel ist ein Kernmerkmal des auf Kohlenstoff basierenden Lebens auf der Erde. Es wird angenommen, dass auch Leben im Weltraum bevorzugt auf einer Kohlenstoffbasis beruht. Eine alternative Basis wie Silizium ist zwar theoretisch möglich, jedoch deutlich unwahrscheinlicher.

Bei Stoffwechselaktivitäten auf Kohlenstoffbasis entstehen Gase. Auf der Erde scheiden Pflanzen Sauerstoff aus, welcher von Menschen und Tieren aufgenommen wird. Letztere scheiden wiederum Kohlenstoffdioxid aus, das wiederum von den Pflanzen absorbiert wird. Der Prozess, bei welchem Pflanzen aus Kohlenstoffdioxid und Wasser mithilfe von Sonnenstrahlung Sauerstoff und Stärke (Zucker) erzeugen, wird Photosynthese genannt.

Zum möglichen Nachweis von Leben auf dem Mars wurden vier Experimente durchgeführt:

Pyrolytic-Release-Experiment: Dieses Experiment sollte eine mögliche Photosynthese oder Spuren einer Kohlenstofffixierung nachweisen. Zu diesem Zweck wurden Proben des Marsbodens mit Licht sowie radioaktiv markiertem Kohlenstoffdioxid und Kohlenmonoxid versetzt – jedoch ohne Zugabe von Wasser, um die extremen Bedingungen des Mars beizubehalten. Im Falle von Photosynthese treibenden oder assimilierenden Organismen wäre ein Teil des radioaktiven Kohlenstoffs in Biomasse umgewandelt und somit der Gasphase entzogen worden. Durch anschließendes starkes Erhitzen (Pyrolyse) und Messen der Radioaktivität hätte dies nachgewiesen werden können. Entwickelt wurde das Experiment von Norman Horowitz vom Caltech.

Insgesamt wurden neun Bodenproben entnommen und in einen Reaktionsbehälter überführt. Dort wurden die Proben mit dem Licht einer Xenon-Lampe bestrahlt, wobei der UV-Anteil herausgefiltert wurde. Die Probe wurde einer warmen Atmosphäre aus Kohlenstoffdioxid ausgesetzt, welche mit radioaktiven Kohlenstoffatomen angereichert war. Der Temperaturbereich dieser Atmosphäre lag zwischen 6 und 27 °C. Insgesamt blieb die Probe fünf Tage im Reaktionsgefäß. Danach wurde die Kohlenstoffdioxidatmosphäre durch Helium ersetzt.

Wenn Mikroorganismen den Kohlenstoff aufgrund einer möglichen Photosynthese aufgenommen hätten, wäre die Bodenprobe nun radioaktiv gewesen. Das zuvor eingeleitete Heliumgas wurde dafür aus dem Behälter gespült, um ungebundene Gase zu entfernen. Anschließend wurde die Probe im Reaktionsbehälter auf 625 °C erhitzt, um die organischen Substanzen zu zersetzen. Das dabei entstehende Gas wurde mit einem Geigerzähler untersucht, um mögliches radioaktives Kohlenstoff-14 nachzuweisen.

Aus den Messergebnissen konnten schwache Signale herausgelesen werden, welche in Kontrollexperimenten auf der Erde den Stoffwechselaktivitäten von etwa 1000 Bakterien entsprachen.  

Labeled-Release-Experiment: Dieses Experiment war im Prinzip die Umkehrung des ersten Ansatzes. Eine Probe des Marsbodens wurde mit einer radioaktiv markierten, wässrigen Nährlösung versetzt. Sollten Organismen im Marsboden diese Nährstoffe – im Team scherzhaft als „Hühnersuppe“ bezeichnet – verstoffwechseln, hätten sie radioaktiv markierte Gase (wie Kohlenstoffdioxid) ausgeschieden. Dieses Experiment wurde von Gilbert V. Levin von der Biospherics Incorporated in Rockville, Maryland (einem privaten Labor), entwickelt.

Im Rahmen dieses Experiments wurde eine Bodenprobe mit einer wässrigen, radioaktiv markierten Nährlösung versetzt. Anschließend wurde das Gas über der Probe elf Tage lang überwacht. Es sollte festgestellt werden, ob durch Stoffwechselaktivitäten radioaktiver Kohlenstoff-14 freigesetzt wurde, der in Molekülen von Kohlenstoffmonoxid, Kohlenstoffdioxid und Methan gebunden war.

Gas-Exchange-Experiment: Bei diesem Experiment wurde eine Bodenprobe über eine längere Zeit einem Gasgemisch ausgesetzt und schrittweise mit Nährstoffen befeuchtet. Mithilfe eines Gaschromatographen wurde in regelmäßigen Abständen untersucht, ob potenzielle Organismen die Zusammensetzung des Gasgemisches durch Stoffwechselaktivitäten veränderten. Dieses Experiment wurde vom Biologen Vance Oyama am Ames Research Center der NASA entwickelt.

Es sollte ermittelt werden, ob Mikroorganismen aufgrund von Stoffwechselaktivitäten die Konzentration von mindestens einem der folgenden molekularen Gase erhöhen oder erniedrigen: Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid oder Methan. Um mögliche Änderungen zu messen, wurden jeweils nach 1, 2, 4, 8 und 12 Tagen eine Gasprobe aus dem Reaktionsgefäß entnommen und mit einem Gaschromatographen und einem Massenspektrometer untersucht. Zu Kontrollzwecken wurden separate Proben auf über 160°C erhitzt und damit sterilisiert. Anschließend erfolgte ebenfalls eine Untersuchung auf mögliche Änderungen der Konzentrationen der oben genannten Gase.

Gaschromatograph-Massenspektrometer (GC-MS): Mit diesem chemischen Analysegerät wurde die molekulare Zusammensetzung des Marsbodens untersucht. Es diente primär dazu, unabhängig von biologischer Aktivität nach organischen (kohlenstoffhaltigen) Verbindungen als Grundbausteine des Lebens zu suchen.

In diesem Gerät wurden die Bodenproben durch Erhitzen in einem kleinen Ofen in die Gasphase gebracht und die aufgrund der Wärme aufsteigenden Gase dann im Gaschromatographen in die molekularen Bestandteile zerlegt.

Mit Hilfe des Massenspektrometers erfolgte dann die Identifizierung der Moleküle, welche dafür in einem elektrischen Feld beschleunigt und je nach Zusammensetzung bzw. ihrer Masse in einem Magnetfeld unterschiedlich stark abgelenkt wurden. Der Gaschromatograph-Massenspektrometer wurde von Klaus Biemann entwickelt, welcher ein Experte für organische Chemie am Massachusetts Institute of Technology war.

Die Bewertung der astrobiologischen Experimente

Die Experimente verliefen im Ergebnis widersprüchlich. Im zweiten Experiment konnte eine relativ starke Zunahme von radioaktivem Gas gemessen werden, nachdem die Probe mit radioaktiv markierter Nährlösung versetzt wurde. Dies könnte auf einen biologischen Mechanismus hindeuten oder es handelt sich um einen rein chemischen Vorgang. Im dritten Experiment wurde eine Zunahme von Sauerstoff festgestellt, nachdem der Bodenprobe Wasser zugeführt wurde. Allerdings trat dieser Effekt auch noch auf, als die Probe durch Hitze sterilisiert wurde. Des Weiteren trat dieser Effekt nur beim erstmaligen Hinzufügen von Wasser auf und danach nicht mehr. Das vierte und letzte Experiment konnte keine signifikanten Mengen organischer Moleküle im Marsboden nachweisen. Dies würde die These stützen, wonach die in den Experimenten 2 und 3 beobachteten Vorgänge rein chemisch und nicht durch biologische Mechanismen zu erklären sind. Die Mehrheit der Wissenschaftler ist dieser These zugeneigt. Im Ergebnis lieferten die Experimente keinen eindeutigen Hinweis für oder gegen Leben auf dem Mars.

Mittlerweile lassen sich alle beobachteten Reaktionen auch auf dem Mars auch durch rein chemische Wege erklären, was jedoch biologische Hintergründe nicht ausschließen kann. Vergleichsexperimente unter marsähnlichen Bedingungen in Wüstengebieten auf der Erde (z. B. Atacama-Wüste) führen zu ähnlichen widersprüchlichen Ergebnissen. Wenn der Marsboden Perchlorate enthält, dann treten die beobachteten Reaktionen auch auf abiotische Weise auf. So enthalten die ariden Böden der Atacama-Wüste Perchlorate. Mit der Phoenix-Landesonde konnten im Jahr 2008 Perchlorate auch im Marsboden nachgewiesen werden. Im Jahr 2012 wurden die Daten der Viking-Mission aus den astrobiologischen Experimenten im Rahmen eines mathematischen Modells analysiert, welches wiederum eine biologische Reaktion nahelegen würde.

Bild 14: Vergleich Atacama-Wüste – Marslandschaft / Quelle: Dr. Jacob Heinz / NASA/JPL-Caltech/ASU

Fazit: Aus heutiger Sicht waren die Experimente der Viking-Mission nicht ausreichend geeignet, Leben auf dem Mars in eindeutiger, widerspruchsfreier Weise nachzuweisen. Die Frage nach möglichem Leben auf dem Mars bleibt offen und muss im Rahmen zukünftiger Missionen geklärt werden.

Einige Bilder der Viking-Mission schienen den Eindruck zu erwecken, dass es künstliche Bauwerke auf dem Mars geben würde. So schien es ein berggroßes steinernes Gesicht auf dem Mars zu geben oder Pyramiden. Allerdings waren diese Bilder nicht sehr aussagekräftig. Der Eindruck der Künstlichkeit ergab sich aus einem Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie Übertragungsfehlern. Nachfolgende Raumfahrtmissionen zeigten eindeutig, dass es sich um natürliche Oberflächenformationen handelt. Bisher wurden keine künstlichen Bauwerke auf dem Mars nachgewiesen. Höherentwickeltes Leben auf dem Mars dürfte definitiv ausgeschlossen sein.

Bild 15: Das vom Viking-Orbiter aufgenommene Marsgesicht ist tatsächlich eine natürliche Formation / Quelle: NASA/JPL

Das Ende der Viking-Mission

Konzipiert war die Viking-Mission für eine Dauer von einigen Monaten. Wenn die zwei Orbiter und zwei Lander nur bis November 1976 funktioniert hätten, wäre die Mission von der NASA schon als erfolgreich bezeichnet worden. Stattdessen funktionierten sie noch viele Jahre und lieferten sehr wertvolle Ergebnisse.

Der Orbiter von Viking 2 stellte am 25. Juli 1978 den Betrieb ein, nachdem der Treibstoff aufgrund eines Lecks im Tanksystem verbraucht war. Der Lander von Viking 2 schaltete sich je nach Zeitzone am 11. bzw. 12. April 1980 ab, als seine Batterien versagten.

Im Falle des Orbiters von Viking 1 musste dieser am 7. August 1980 von der NASA abgeschaltet werden, nachdem der Treibstoff für die Lageregelung nahezu vollkommen verbraucht war. Der Lander von Viking 1 stellte seine Funktion nach 2307 Erdentagen bzw. 2245 Marstagen am 11. November 1982 ein. Die Ursache war ein fehlerhaftes Software-Update von der Bodenkontrolle, welches die Ausrichtung der Antenne zur Erde unterbrach, woraufhin der Kontakt endgültig abriss.

Damit endete die sehr erfolgreiche Viking-Mars-Mission, welche unsere Erkenntnisse über den roten Planeten deutlich erweiterte. Erst 1997 erreichten zwei US-Raumsonden wieder erfolgreich den Mars. Im Rahmen der Mission „Mars Pathfinder“ erreichte am 4. Juli 1997 wieder eine Landeeinheit erfolgreich den Marsboden und setzte den Roboter-Rover „Sojourner“ aus. Mit der Mission „Mars Global Surveyor“ erreichte am 11. September 1997 wieder ein Orbiter erfolgreich eine Umlaufbahn um den Mars.

Seit diesen Pionierleistungen der Raumfahrt wurden zahlreiche weitere unbemannte Missionen zum Mars geschickt. Mehr als ein Dutzend davon verlief erfolgreich und revolutionierte unser Bild vom roten Planeten – darunter die bekannten Rover Curiosity und Perseverance. Für die nahe Zukunft sind bereits die nächsten unbemannten Sonden und Probenrückführmissionen konkret geplant.

Nach dem Mond ist der Mars auch das langfristige Ziel für eine erste bemannte Mission. Hierfür sind allerdings noch enorme gesellschaftliche, medizinische und technologische Herausforderungen zu meistern, sodass eine Realisierung vor den 2040er Jahren unwahrscheinlich sein dürfte.

Der rote Planet Mars hat noch genügend Geheimnisse, welche mit den Pionierleistungen der modernen Raumfahrt gelüftet werden wollen. Die Viking-Missionen waren vor 50 Jahren ein erfolgreich bewältigtes Abenteuer und ein Meilenstein auf diesem „Mars Trek“.

Astrobiologische Marsforschung im Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE)

Das „Astronomie-Netzwerk Weser-Ems“ (ANWE) ist ein Verbund aus fünf Hochschulen (darunter zwei Universitäten), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, elf astronomischen Vereinigungen und einer astronomischen Stiftung in Bremen und Nordwest-Niedersachsen. Es hat seinen formellen Sitz an der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth am Standort in Wilhelmshaven.

Das ANWE kooperiert mit der „Deutschen Astrobiologischen Gesellschaft“ (DAbG) und dem „Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik“ (IFEX) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Entsprechend besteht im ANWE auch eine Fachgruppe „Astrobiologie“, deren Koordinator Dr. Jacob Heinz vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen ist. Die Universität Bremen ist Mitglied im ANWE, wobei das ZARM eine ausführende Stelle ist.

Im Labor für angewandte Weltraum-Mikrobiologie am ZARM wird astrobiologische Forschung betrieben. So wird dort unter anderem untersucht, wie Mikroben unter den marsähnlichen Bedingungen in der Atacama-Wüste (Chile) überleben können. Damit können auch Rückschlüsse für mögliches Leben auf dem Mars gezogen werden.

Das IFEX wiederum ist mit einer Meteor- und UAP-Kamera (AllSkyCAM) am Projekt „VaMEx3-MarsSymphony“ beteiligt, einem Teilprojekt der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR geförderten Initiative VaMEx (Valles Marineris Explorer). Der Fokus liegt auf der Schwarm-Kommunikation: Ein Netzwerk aus autonomen Rovern, Drohnen und Satelliten soll harmonisch zusammenspielen („Symphonie“), um die tiefen Canyons und Höhlen auf dem Mars zu erkunden. In diesen vor allem vor Strahlung geschützten Nischen soll dann auch nach Leben auf dem Mars gesucht werden.

Bild 16: Das Valles Marineris vom Orbiter Viking 1 aus gesehen / Quelle: NASA/JPL

Quellen

Für diesen Artikel wurden unter anderem vier Bücher verwendet, welche ausdrücklich von mir empfohlen werden:

Carl Sagan; Unser Kosmos; Bechtermünz Verlag; 1980 / 1997

John N. Wilford; MARS – Unser geheimnisvoller Nachbar; Birkhäuser Verlag; 1990 / 1992

Mathias Scholz; Astrobiologie; Springer Spektrum; 2015

Wolfgang W. Osterhage, Christian Gritzner; Die Geschichte der Raumfahrt; Springer; 2022

Des Weiteren fanden folgende Websites Verwendung, welche am 14. Juli 2026 aufgerufen wurden:

Viking Project

https://raumfahrtmissionen.dlr.de/missionen-von-a-bis-z/209-viking-1

https://raumfahrtmissionen.dlr.de/missionen-von-a-bis-z/210-viking-2

Astrophysiker Andreas Schwarz zu Gast bei Radio Jade

Der Diplom-Physiker und Astrophysiker Andreas Schwarz war am 18.07.2026 von 18:00 bis 20:00 Uhr zu Gast bei Christof Ueberschaar in der 49. Ausgabe seiner Sendung „Kilowatt“ im Bürgerfunk von Radio Jade. Für die Einladung und die tolle Sendung ein großes Dankeschön an Moderator Christof Ueberschaar!

Im Rahmen der Sendung wurde das Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE) mit seinen Aktivitäten in Wissenschaft und Forschung sowie in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ausführlich vorgestellt. Dazu gehörten auch die Aktivitäten der Verbundmitglieder, zu denen unter anderem der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. zählt.

Von 18:00 bis 19:00 Uhr drehte sich alles um die Astrobiologie – die spannende Suche nach Leben im Weltraum. Zwischendurch wurden passende Musikstücke mit Bezug zur Astronomie gespielt. Im zweiten Teil der Sendung von 19:00 bis 20:00 Uhr ging es um die Gefährdung der Menschheit durch Kleinkörper aus dem Weltall und durch Sonnenstürme. Neben der zugehörigen Wissenschaft wurde auch auf die notwendigen technologischen Entwicklungen eingegangen, die für diese Forschung und für die Sicherung der zukünftigen Entwicklung der Erde erforderlich sind.

In der 50. „Kilowatt“-Sendung am 15.08.2026 von 18:00 bis 20:00 Uhr wird Andreas Schwarz erneut zu Gast sein. Dann geht es um die gesellschaftliche Bedeutung des Weltraums, um das Weltraumrecht und um die Weltraumwirtschaft.

Nachfolgend kann der Mitschnitt zur 49. Sendung „Kilowatt“ heruntergeladen werden:

Bild: Christof Ueberschaar und Andreas Schwarz im Studio von Radio Jade / Quelle: Christof Ueberschaar

Der Sternenhimmel im Juli 2026

Die Sternbilder im Juli 2026

Bild 1: Der gesamte Sternenhimmel am 15.07.2026 um 22:00 Uhr / Quelle: Erstellt mit Stellarium

Im Juli stehen die Sternbilder Skorpion (Scorpius), mit seinem hell und rötlich leuchtenden Stern Antares, und Schütze (Sagittarius) im Süden.  Der rote Überriese Antares ist zirka 600 Lichtjahre entfernt und hat eine Größe von 700 bis 800 Sonnenradien. Übersetzt bedeutet der Name Antares „Gegen-Mars“, da dieser am Sternenhimmel vergleichbar aussieht wie der rote Planet Mars. Im Sternbild Schützen befindet sich von der Position unseres Sonnensystems aus gesehen das Zentrum der Milchstraße, welches ein Super Massives Schwarzes Loch von rund Vierhundertmillionen Sonnenmassen beherbergt. Skorpion und Schütze befinden sich relativ tief im Süden, da die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn am Sternenhimmel, dort entsprechend niedrig verläuft. Das Band der Milchstraße verläuft quer über den Sternenhimmel. Es beinhaltet etwa 300 Millionen Sterne. Im Sommer ist es aufgrund der Resthelligkeit schwerer zu beobachten.

Der Große Bär (Ursa Major) geht am Sternenhimmel aufgrund seiner relativen Nähe zum Himmelsnordpol niemals unter. Am Abend des Julis steht er relativ tief im Nordwesten. Markanter Teil des Großen Bären sind sieben hellere Sterne, welche auch als Großer Wagen bezeichnet werden. Die Verlängerung der letzten beiden Kastensterne in nördlicher Richtung führt zum Polarstern. In Richtung Polarstern zeigt die scheinbare Verlängerung der Erdachse, womit sich der Sternenhimmel von dieser Perspektive aus scheinbar um den Polarstern dreht und dieser damit den Himmelsnordpol markiert. Allerdings ist der Polarstern etwa einen Grad vom Himmelsnordpol entfernt. Der Polarstern ist der letzte Stern an der Deichsel des Kleinen Wagens bzw. des Kleinen Bären (Ursa Minor). Die Verlängerung des letzten Deichselsterns des Großen Wagens zeigt auf den Roten Riesen Arthur im Sternbild Bootes (Bootes), welcher nur 37 Lichtjahre entfernt ist und eine Größe von 26 Sonnenradien hat. Der Bärenhüter Bootes steht leicht westlich, während sich die Position des Sternbildes Löwen (Leo) schon deutlich in den Westen verschoben hat.

Die Sternbilder Leier (Lyra), Schwan (Cygnus) und Adler (Aquila) sind im östlichen Himmelsabschnitt zu finden. Ihre Hauptsterne Wega, Deneb und Atair bilden das Sommerdreieck und werden bereits zum Einbruch der Dunkelheit sichtbar. Im Sternbild Leier befindet sich ein Ringnebel. Diese entstehen, wenn massenärmere Sterne am Ende ihres Lebens als Roter Riese die äußere Hülle abstoßen. Übrig bleibt ein sogenannter Weißer Zwergstern und ein sogenannter planetarischer Nebel, welcher sich in einigen Zehntausend Jahren auflöst. Höher im Süden befindet sich das Sternbild Herkules (Hercules), welches den bekannten Kugelsternhaufen M 13 beherbergt. Dieser umfasst rund 500.000 Sterne und ist rund 25.000 Lichtjahre entfernt. Im Herkules findet sich auch der Kugelsternhaufen M 92, welcher etwa 290.000 Sonnenmassen beinhaltet und rund 29.000 Lichtjahre entfernt ist. Tief im Südwesten findet sich noch das Sternbild Waage (Libra).

Die Planeten im Juli 2026

Die Planeten lassen sich bis auf Merkur alle am Sternenhimmel finden. Der Merkur hat seine Abendsichtbarkeit im Juni beendet und ist im Juli 2026 nicht beobachtbar. Am 13.07.2026 steht er in Konjunktion mit der Sonne und baut anschließend schnell westliche Winkelabstände zur Sonne auf. Im August 2026 erscheint der Merkur dann am Morgenhimmel.

Die Venus steht im Sternbild Löwe und ist weiterhin als ein auffälliges, strahlendes Objekt am Abendhimmel zu sehen. Ihre Helligkeit nimmt sogar noch etwas zu. Am 08.07.2026 bewegt sich die Venus in gut einem Grad Abstand an den Hauptstern des Löwen, Regulus, vorbei. Regulus bedeutet übersetzt kleiner König. Als sogenannter Abendstern verkürzt sich die Sichtbarkeitsdauer der Venus im Juli 2026 allerdings.

Der rote Planet Mars durchläuft das Sternbild Stier (Taurus) und zieht am 14.07.2026 in einem Abstand von fünf Grad nördlich an Aldebaran, dem Hauptstern des Stiers vorbei. Aldebaran ist ein Roter Riese mit dem 1,16-fachen der Sonnenmasse und 67 Lichtjahre entfernt. Der Mars taucht am Morgenhimmel auf und kann bei guten Sichtbarkeitsbedingungen in der Morgendämmerung ausgemacht werden. Bereits am 04.07.2026 zieht der Mars in einem Abstand von nur 0°6′ am Uranus vorbei, eine Möglichkeit, den Uranus am Sternhimmel ausfindig zu machen.

Der Planet Jupiter verabschiedet sich vom Abendhimmel und steht am 29.07.2026 in Konjunktion mit der Sonne. Er durchläuft das Sternbild Krebs (Cancer).

Der Planet Saturn steht im Sternbild Fische (Prices) und hat seinen Auftritt noch in der zweiten Nachthälfte. Allerdings verlagern sich seine Aufgänge zunehmend in die erste Nachthälfte. Des Weiteren setzt der Planet am Ende des Monats zur sogenannten Oppositionsschleife an, in der seine Bewegung am Sternhimmel scheinbar zum Stillstand kommt und dann rückläufig wird. Diese scheinbare Bewegung kommt dadurch zustande, dass die sich schneller bewegende Erde den langsamer laufenden Saturn überholt.

Der Uranus befindet sich ebenfalls wie der Mars im Sternbild Stier. Wir bereits beschrieben, zieht der Mars am 04.07.2026 in nur 0°6′ am Uranus vorbei. Mit einem Feldstecher oder Teleskop kann der Uranus mit Hilfe des Mars dann ausfindig gemacht werden. Der Uranus ist wie der Mars und der Saturn in der zweiten Nachthälfte sichtbar.

Der Neptun steht im Sternbild Fische und setzt ebenfalls zu seiner Oppositionsschleife an. Er ist in der zweiten Nachthälfte zu finden, wobei sich seine Aufgänge in die erste Nachthälfte verlagern. Allerdings kann der Neptun nur mit optischen Hilfsmitteln gesehen werden.

Die Meteorströme im Juli 2026

Im Juli 2026 sind mehrere Meteorströme sichtbar. Die Pegasiden haben ihren Radianten im Sternbild Pegasus und erreichen ihren Höhepunkt um den 10.07.2026. Die ursächlichen Meteoroiden dringen mit relativ hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre ein.

Als stärkster Meteorstrom treten vom 12.07. bis 19.08. die Delta-Aquariden auf, welche ihren Radianten im Sternbild Wassermann (Aquarius) haben. Sie tragen auch den Namen Juli-Aquariden. Im Maximum sind etwa 20 bis 25 Meteore zu erwarten. Allerdings sind die Meteore nicht besonders hell und damit nicht auffällig.

Die Alpha-Capricorniden haben ihren Radianten im Sternbild Steinbock (Capricornus) und treten vom 03.07. bis 15.08.2026 auf. Sie treten die ganze Nacht auf. Ihren Höhepunkt erreichen sie am 30.07. mit nur fünf Meteoren pro Stunde.

Der Anti-Helion-Komplex ist als permanenter Meteorstrom weiterhin aktiv. Sein Radiant verlagert sich stetig ostwärts und durchsteift im Juli 2026 das Sternbild Steinbock. Aufgrund der langsameren Geschwindigkeit der Alpha-Capricorniden sind diese vom Anti-Helion-Komplex im Sternbild Steinbock unterscheidbar.

Die Perseiden, welche Mitte August ihren Höhepunkt erreichen, treten ab dem 16.07.2026 auf.

Bild 2: Der Sternenhimmel in Richtung Süden am 15.07.2026 um 22:00 Uhr / Quelle: Erstellt mit Stellarium

Dynamische Entwicklung im Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE)

Das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE) entwickelt sich mit großer Dynamik fachlich weiter und möchte damit auch zur Entwicklung der Region Weser-Ems in Bremen und Nordwest-Niedersachsen beitragen. Bisher verfügte das ANWE über die Fachgruppen Gravitationsphysik, Geowissenschaften, Theoretische Astronomie, Praktische Astronomie, Technische Astronomie, Astrofotografie, Raumfahrt, Wissenschaft und Forschung sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Jetzt kommen zwei neue Fachgruppen hinzu: Astrobiologie und Weltraumwirtschaft. Die Hintergründe hierzu werden im nachfolgenden Artikel ausführlich erläutert.

Aufgrund der neuen Kooperationen mit der Deutschen Astrobiologischen Gesellschaft (DAbG) und der bereits seit 2023 bestehenden Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik (IFEX) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde die Fachgruppe Astrobiologie eingerichtet. Koordinator ist Dr. Jacob Heinz vom ZARM der Universität Bremen. Damit ist die Astrobiologie als Fachgebiet auch im ANWE sichtbar und verankert.

Bild 1: Astrobiologie – Vergleich Atacama-Wüste / Marslandschaft / Quelle: Dr. Jacob Heinz / NASA/JPL

Die dynamische Entwicklung der Weltraumwirtschaft und die damit verbundenen Aktivitäten und Zielsetzungen des ANWE haben zur Einrichtung der Fachgruppe Weltraumwirtschaft geführt. Die Fachgruppenkoordination wird von Diplom-Physiker / Astrophysiker Andreas Schwarz übernommen, wobei bereits ein Arbeitsteam im Netzwerk besteht. Mit diesem Thema möchte das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems die Region zum Wohle aller entwickeln und die Zukunft gestalten.

Auf dem ersten Barcamp des Digitalen Innovationszentrums JadeBay und dem JadeBay-Sommerfest am 18.06.2026 auf Gut Altmarienhausen in Sande wurden neun Zukunftsthemen besprochen, darunter das Thema „Weltraumwirtschaft in der Region“. Zu jedem der neun Themen wurden ausführliche Diskussionen geführt, die Ergebnisse protokolliert und daraus eine KI-generierte Zusammenfassung in Form eines Plakates erstellt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Team der JadeBay sowie alle Teilnehmenden für eine sehr erfolgreiche und schöne Veranstaltung! Ausführliche Informationen finden sich bei der JadeBay GmbH unter nachfolgendem Link: Barcamp/Sommerfest JadeBay | JadeBay

Bild 2: KI-generiertes Plakat aus den Ergebnissen der Diskussion zur Weltraumwirtschaft in der Region / Quelle: JadeBay GmbH

Das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE) ist ein Verbund aus fünf Hochschulen (darunter zwei Universitäten), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), elf astronomischen Vereinigungen und einer astronomischen Stiftung in Bremen und Nordwest-Niedersachsen.

Konkret ist das ANWE eine dynamische Infrastruktur, welche Wissenschaft und Forschung, Citizen Science, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer in die Gesellschaft sowie ehrenamtlich und hauptberuflich darin Tätige miteinander auf Augenhöhe verbindet und für alle Synergien fördert.

Die ANWE-Fachgebiete sind Astronomie, Astrophysik, Gravitationsphysik, Geowissenschaften, Raumfahrt, Weltraumforschung und damit assoziierte Wissenschaften sowie nun auch Astrobiologie und Weltraumwirtschaft. Es hat seinen formellen Sitz an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Mit seinen Themen wird das Astronomie Netzwerk Weser-Ems auch zunehmend zu einem Zukunftsnetzwerk für die Region. Ein Motto des ANWE ist: Eine prosperierende Zukunft zum Wohle aller wird Gegenwart!

Das Exposé zur Weltraumwirtschaft in der Region Weser-Ems in ausführlicher Form (8 Seiten) und in einer Kurzversion (2 Seiten):

ANWE und DAbG beginnen Kooperation zur Astrobiologie

Das Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE) und die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft (DAbG) haben durch Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung eine Kooperation zur Entwicklung, Förderung und Pflege der Astrobiologie und der damit assoziierten Wissenschaften begonnen. Diese Kooperation ist auch eine sinnvolle Ergänzung zur assoziierten Mitgliedschaft des ANWE im Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik (IFEX) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo auch die Suche nach Leben im Weltraum im Fokus steht.

Im Labor für angewandte Weltraum-Mikrobiologie am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen, welche Mitglied im ANWE ist, wird bereits astrobiologische Forschung betrieben. So wird dort unter anderem untersucht, wie Mikroben unter den marsähnlichen Bedingungen in der Atacama-Wüste (Chile) überleben können. Damit können auch Rückschlüsse für mögliches Leben auf dem Mars gezogen werden. An der Hochschule Emden-Leer, welche ebenfalls Mitglied im ANWE ist, werden neben anderem auch Optiken zur Messung von biologischen Signaturen und chemischen Stoffen in den Atmosphären von Exoplaneten entwickelt.

Bild 1: Vergleich von Atacama-Wüste und Marslandschaft / Quelle: Dr. Jacob Heinz und NASA/JPL

Die Astrobiologie

Die Astrobiologie ist eine interdisziplinäre Naturwissenschaft. Sie erforscht den Ursprung, die Evolution, die Verbreitung und die Zukunft des Lebens im Weltraum. Sie hat große Schnittmengen mit der Astronomie und Astrophysik, der Gravitationsphysik, den Geowissenschaften, den Raumfahrtwissenschaften, der Weltraumforschung, Physik, Chemie, Biologie und weiteren damit assoziierten Wissenschaften.

Eine der großen Fragen der Menschheit ist, ob sie alleine im Universum ist. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dem wahrscheinlich nicht so ist. Seit den 1960er Jahren wird intensiv nach möglichen Signalen von technologisch entwickelten intelligenten Lebensformen gesucht. Mit den Raumsonden Viking 1 und 2 auf dem Mars begann ab 1976 auch die Suche nach einfachen Lebensformen. Spannende Kandidaten für außerirdische Einzeller sind auch die Jupitermonde Europa und Ganymed sowie die Saturnmonde Enceladus und Titan. Hochentwickelte Lebensformen könnten potentiell auf Exoplaneten gefunden werden. Diese Planeten außerhalb unseres Sonnensystems können wir seit 1992 nachweisen. Mittlerweile sind wir zunehmend in der Lage, die Atmosphären von Exoplaneten nach biologischen Signaturen zu untersuchen.

Bild 2: Forschungsfeldlager in der Atacama-Wüste bei Nacht / Quelle: Dr. Jacob Heinz ZARM / Universität Bremen

Die Begriffe Exobiologie und Astrobiologie werden weitgehend synonym verwendet und die Unterschiede sind sehr fein. Die Exobiologie beschäftigt sich expliziter mit der Suche nach Leben im Weltraum, widmet sich allerdings auch der Entwicklung und dem Verhalten von irdischem Leben im All. Die Astrobiologie betrachtet auch die Ursprünge des Lebens auf der Erde und im Universum sowie deren Entwicklung und Verhalten auch auf der Erde. Durch die Untersuchung von Lebensformen in extremen Umweltbedingungen auf der Erde (sogenannte Extremophile) können auch mögliche Rückschlüsse für die Entstehung und Entwicklung von Lebensformen außerhalb der Erde gezogen werden. Ein Beispiel hierfür ist die oben beschriebene Untersuchung von Mikroben in der Atacama-Wüste unter marsähnlichen Bedingungen. Mit zunehmender Verbesserung der Messtechnik steigt die Wahrscheinlichkeit, Leben außerhalb der Erde nachzuweisen.

Bild 3: Entnahme einer Salzknolle in der Atacama-Wüste (Chile) / Quelle: Dr. Jacob Heinz ZARM / Universität Bremen

Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE)

Das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE) ist ein Verbund aus fünf Hochschulen (darunter zwei Universitäten), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, elf astronomischen Vereinigungen und einer astronomischen Stiftung in Bremen und Nordwest-Niedersachsen. Konkret ist das ANWE eine dynamische Infrastruktur, welche Wissenschaft und Forschung, Citizen Science, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer in die Gesellschaft sowie ehrenamtlich und hauptberuflich darin Tätige miteinander auf Augenhöhe verbindet und für alle Synergien fördert. Die ANWE-Fachgebiete sind Astronomie, Astrophysik, Gravitationsphysik, Geowissenschaften, Raumfahrt, Weltraumforschung und damit assoziierte Wissenschaften sowie nun auch Astrobiologie. Es hat seinen formellen Sitz an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Deutsche Astrobiologische Gesellschaft (DAbG)

Die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert und den wissenschaftlichen Informationsaustausch sowie die Zusammenarbeit seiner Mitglieder fördert – mit dem Ziel, die astrobiologische Forschung in Deutschland voranzutreiben und ihr zu größerer Sichtbarkeit zu verhelfen. Im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Universitäten und außeruniversitäre Einrichtungen, an denen astrobiologische Forschung und Lehre betrieben werden. Die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft soll als gemeinsames Dach für die dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fungieren und die internationale Sichtbarkeit der Astrobiologie in Deutschland steigern.

Bild 4: Der Planet Mars / Quelle: Ralf Schmidt AVWF

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