Am Abend des 19.01.2026 wurde die Atmosphäre der Erde von einem Sonnensturm getroffen, welcher bei klarem Sternenhimmel zu wunderbar sichtbaren Polarlichtern in Wilhelmshaven und Friesland führte. Mit bloßem Auge sind die Polarlichter nur schwach sichtbar, mit Hilfe einer Kamera zeigen sich die Polarlichter in ihrer farbigen Pracht.

Bild 1: Polarlicht in Wilhelmshaven / Stadtteil Siebethsburg / 19.01.2026 / 23:15 MEZ / Andreas Schwarz AVWF
Nachfolgend wird auf die Entstehung der Polarlichter näher eingegangen. Der aus geladenen Teilchen (Protonen, Heliumkerne, Kerne schwererer Elemente und Elektronen) bestehende Sonnenwind wechselwirkt sowohl mit dem Erdmagnetfeld als auch mit der Atmosphäre der Erde. Der Sonnenwind hat eine Geschwindigkeit von 650 bis 1000 km/s. Die Magnetosphäre der Erde wird auf der sonnenzugewandten Seite der Erde gestaucht, während sich auf der sonnenabgewandten Seite ein Schweif bildet.
Das Erdmagnetfeld hat eine Stärke von 20 µT (Mikro-Tesla) bei einer Schwankungsbreite von 20 nT (Nano-Tesla). Durch den Sonnenwind bzw. einen Sonnensturm wird das Erdmagnetfeld geschwächt. Bei einer Schwächung des Erdmagnetfeldes ab 50 nT wird statt von einem Sonnenwind von einem Sonnensturm gesprochen. Bei einer Schwankungsbreite von 50 bis 100 nT gilt ein Sonnensturm als moderat, bei 100 bis 250 nT als intensiv und ab einer Schwankungsbreite von 250 nT wird von einem Supersturm gesprochen.
Besonders eindrucksvoll ist die Wechselwirkung eines Sonnensturmes mit der Erdatmosphäre, wenn sie zur Entstehung von Polarlichtern führt. Sie entstehen, wenn die elektrisch geladenen Teilchen des Sonnenwindes vom Magnetfeld der Erde eingefangen und sie entlang der Magnetfeldlinien auf die obere Erdatmosphäre treffen. Die hochenergetischen Teilchen ionisieren in Folge Stickstoff- und Sauerstoffatome der Erdatmosphäre. Nach kurzer Zeit erfolgt jedoch wieder die Rekombination, d.h. die Elektronen werden wieder von den Stickstoff- und Sauerstoff-Ionen eingefangen. Dabei wird Licht in Form von verschiedenen Wellenlängen bzw. Frequenzen bzw. Farben emittiert. So entsteht grünes und rotes Polarlicht durch Sauerstoff, blaues und violettes Licht durch Stickstoff.

Bild 2: Polarlicht in Wilhelmshaven / Parkplatz Kaufland / 19.01.2026 / 23:29 MEZ / Andreas Schwarz AVWF
Polarlichter leuchten nicht nur im optischen Bereich, sondern können auch im unsichtbaren langwelligen und kurzwelligen Bereich, etwa im infraroten und ultravioletten Bereich, strahlen. Da die Magnetfeldlinien der Erde an den jeweiligen Erdpolen eintreten, die geladenen Teilchen sich entsprechend dort entlang bewegen, kommen Polarlichter hauptsächlich in den Polargebieten und höheren geographischen Breiten vor. Da der Sonnenwind mit der Aktivität der Sonne korreliert ist, kommen Polarlichter auch besonders bei einem Aktivitätsmaximum der Sonne vor. Die Sonnenaktivität resultiert aus magnetischen Vorgängen in der Sonne, welche sich u. a. als Flecken, Fackeln, Flares, koronale Massenauswürfe und Protuberanzen zeigen.

Bild 3: Polarlicht in Wilhelmshaven / Stadtteil Siebethsburg / 19.01.2026 / 23:14 MEZ / Andreas Schwarz AVWF
Sonnenstürme können als negative Folge auch Überspannungen in Überlandleitungen induzieren, Transformatoren zerstören und damit die Stromversorgung in den betroffenen Gebieten lahmlegen.
Bei Flares wird Röntgenstrahlung emittiert, welche die Ionendichte in der Erdatmosphäre erhöht. Es kann dabei zu plötzlich aufkommenden Störungen der Ionosphäre kommen. In Folge können Funksignale in der D-Schicht absorbiert und damit der Funkverkehr gestört werden. Auf der anderen Seite werden bei einem Aktivitätsmaximum höhere Frequenzen von Radiostrahlung reflektiert und damit deren Reichweite erhöht.
Selbst die Störung von Computern ist durch die energiereichen Teilchen des Sonnensturms möglich. So kommt es zum Effekt der sogenannten Bit-Umkehr und damit zu falschen Befehlen. Durch die erhöhte kurzwellige Strahlung wird die obere Erdatmosphäre erhitzt und dehnt sich aus. In Folge können erdnahe Satelliten abgebremst werden und abstürzen. Intensive Teilchenstrahlung ist auch gefährlich für Lebewesen, insbesondere für Raumfahrer, so dass auf das sogenannte Weltraumwetter besonders geachtet werden muss. Daher wird das Weltraumwetter beobachtet und versucht, Vorhersagen über dessen Entwicklung zu machen.
Fazit: Auf der Erde gibt es ein Wetter und dieses kann uns auch Unwetter bescheren. Ebenso gibt es auch ein sogenanntes Weltraumwetter, den Sonnenwind, ein Teilchenstrom von der Sonne. Der wird ebenfalls kontinuierlich beobachtet wie das Wetter auf der Erde. Auch beim Weltraumwetter kann es zu Unwettern, sogenannten Sonnenstürmen kommen. Sie sind für die schönen Polarlichter verantwortlich, können jedoch auch zu massiven Schäden und Störungen unserer elektronischen Infrastruktur führen. Seit 1859 hat uns bisher kein massiver Sonnensturm mehr direkt getroffen. Doch auch hier ist es nicht eine Frage, ob so ein Ereignis stattfinden wird, sondern wann. Darauf müssen wir ebenfalls reagieren können. Beim Weltraumwetter zeigt sich überdies eine der Schnittstellen zwischen Astro- und Geophysik.