Seit den 1950er-Jahren gibt es in der Forschung intensive Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit von technologisch entwickeltem, intelligentem Leben im All. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die 1961 aufgestellte Green-Bank-Formel von Frank Drake (1930–2022), auch bekannt als SETI-Gleichung. Ein weiteres zentrales Konzept ist das sogenannte Fermi-Paradoxon, das der Kernphysiker Enrico Fermi (1901–1954) bereits im Jahr 1950 formulierte.

Der folgende Artikel beleuchtet dieses Paradoxon und zeigt auf, wie der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft des Rates sowie viele Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik der Stadt Wilhelmshaven dieses ohne eigenes Zutun aufgelöst haben. Stattdessen hinterließen sie in Wilhelmshaven ein lokales Wissenschaftsstadt-Paradoxon.

Ein ausführlicher Überblick über die Erfahrungen des Astronomischen Vereins Wilhelmshaven-Friesland e. V. (AVWF) und des Astronomie-Netzwerks Weser-Ems (ANWE) mit den Gremien sowie Vertreterinnen und Vertretern der (von diesen selbst titulierten) Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven.

Bild 1: Rathaus – Kommunalpolitik der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven antwortet nicht / Foto: Andreas Schwarz

Das Fermi-Paradoxon

Ausgehend von der These, dass die Erde keine absolute Ausnahme im Universum darstellt, sollten in unserer Galaxis theoretisch weitere kulturell-technisch entwickelte Zivilisationen existieren. Unsere Milchstraße hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren. Mit einem Raumschiff, das sich mit einem bis zehn Prozent der Lichtgeschwindigkeit c = 299.792.458 m/s (0,01 – 0,1c) bewegt, ließe sich die Galaxis in einem Zeitraum von einer bis zehn Millionen Jahren durchqueren. Bei einem Alter der Galaxis von rund zehn Milliarden Jahren wäre dies bereits mehrfach möglich gewesen.

Gäbe es unter diesen Zivilisationen auch nur eine einzige, die mithilfe von Raumfahrttechnik zur Kolonisierung der Galaxis fähig wäre, hätte sie diese innerhalb weniger Millionen Jahre vollständig besiedeln können. Aufgrund dieser mathematischen Wahrscheinlichkeit und des hohen Alters der Galaxis müssten extraterrestrische, technologisch entwickelte Zivilisationen eigentlich allgegenwärtig sein. Nach Fermi sollten wir diese Zivilisationen daher auch beobachten können. Bisherige astronomische Beobachtungen bestätigen die Existenz solcher Zivilisationen jedoch nicht, was gegen deren Existenz sprechen würde.

Etwas allgemeiner ausgedrückt: Bisher hat keine technologisch entwickelte Lebensform im All auf die aktiven und indirekten Kommunikationsversuche der Menschheit reagiert. Dieser Widerspruch zwischen der theoretischen Wahrscheinlichkeit und dem großen Schweigen im Kosmos bildet eine mögliche Form vom Fermi-Paradoxon.

Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft

Der Astrophysiker Andreas Schwarz war am 1. April 2025 (kein Aprilscherz) zu einem Vortrag über aktuelle astronomische Projekte vor dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft des Rats der Stadt Wilhelmshaven eingeladen. Im Anschluss fragte er, welche Mitglieder außer Ratsherr Andreas Tönjes im März 2025 das „Tiny-Observatorium“ – eine mobile Sternwarte – am Banter See besucht hätten. Erfahren hatte davon im Ausschuss angeblich niemand; man hätte explizit eingeladen werden müssen.

Tatsächlich zeigen neben dem Ratsherrn Andreas Tönjes regelmäßig nur der Erste Stadtrat Armin Schönfelder und die Bürgermeisterin Astrid Zaage aktives Interesse an der Arbeit des Astronomischen Vereins Wilhelmshaven-Friesland e. V. und des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE). Sie kommunizieren auch erfolgreich mit diesen Institutionen und zeigen Präsenz. Das ANWE, das seinen Sitz an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven hat, bündelt die Expertise von fünf Hochschulen, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), elf astronomischen Vereinigungen sowie einer astronomischen Stiftung und ist in regionale, nationale und internationale Kooperationen eingebunden.

Wie vom Ausschuss gefordert, folgten in der Zeit danach drei offizielle Einladungen zu Großveranstaltungen: zur Erweiterung des ANWE an der Hochschule Bremen am 24. Oktober 2025, zur nächsten Mission des Tiny-Observatoriums am Banter See im März 2026 und zum Tag der Astronomie und Raumfahrt an der Jade Hochschule am 28. März 2026. In allen drei Fällen gab es keinerlei Rückmeldung. Lediglich die Ausschussvorsitzende Helga Weinstock teilte nach einer erneuten Nachfrage per E-Mail knapp mit, dass sie und ihr Stellvertreter nicht an der Erweiterungsveranstaltung des ANWE am 24.10.2025 teilnehmen können. Die anderen Einladungen blieben unbeantwortet.

Am 26. März 2026 wurde den Ausschussmitgliedern zudem eine strategische Kooperation mit dem ANWE angeboten, um Wilhelmshaven als Wissenschaftsstadt voranzubringen. Angesichts der dynamischen Entwicklung der Weltraumwirtschaft und der Rolle von Bremen als führendem Raumfahrtstandort in Deutschland und Europa soll diese in der Region Weser-Ems etabliert werden. Hierbei soll Wilhelmshaven eine herausragende Schlüsselrolle einnehmen. Es soll hierfür in Anlehnung an das von 1878 bis 1945 bestehende historische Kaiserliche Marine-Observatorium mit Weltruf auch ein modernes astronomisch-geowissenschaftliches Observatorium errichtet werden (Projekt: AstroGeoSpace). Die Jade Hochschule wäre in Zusammenarbeit mit der Stadt Wilhelmshaven sogar zur Trägerschaft bereit. Getreu dem Science-Fiction-Motto „Metaluna 4 antwortet nicht“ blieb eine Reaktion des Ausschusses jedoch vollständig aus.

Erst auf eine fünfte, kritische E-Mail vom 28. April 2026 folgte eine Stunde später ein Anruf von Ratsfrau Nurhayat Bakir-Block. Sie entschuldigte sich aufrichtig für das kommunikative Defizit und versprach, die fehlende Rückmeldebereitschaft im Ausschuss zu thematisieren – eine offizielle Antwort steht hierzu allerdings noch aus bzw. kam nie. Keines der anderen Mitglieder hat jemals geantwortet.

Der Rat und die Verwaltung der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven

Die Kontaktversuche mit anderen Mitgliedern des Rates der Stadt Wilhelmshaven, einschließlich der Vorsitzenden, blieben bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls erfolglos. Abgesehen vom Ersten Stadtrat ist übrigens auch die Kommunikation mit der übrigen Verwaltungsspitze der Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven einseitig und nicht zielführend.

Die kommunalpolitischen Vertreterinnen und Vertreter antworten überwiegend nicht, daher liegt die Bezeichnung als „Schweigende Wissenschaftsstadt“ sehr nahe. Der Titel „Wissenschaftsstadt“ wurde übrigens nicht vom Land Niedersachsen verliehen, welches den entsprechenden Antrag der Stadt Wilhelmshaven abgelehnt hatte. Der Rat hat diesen Titel ohne jede Kommunikation mit den Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und ihren Institutionen am 18. März 2026 selbst verliehen.

Der Titel „Schweigende Wissenschaftsstadt“ bezieht sich ausschließlich auf das grundsätzliche Verhalten der Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Wilhelmshaven, nicht jedoch auf die wissenschaftlichen Institutionen und ihre Angehörigen. Diese führen eine erfolgreiche und hervorragende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit durch. Ein Beispiel ist die Lange Nacht der Wissenschaft.

Ein weiteres Beispiel zur schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven: Der Astronomie-Club Ostfriesland e. V. entwickelt derzeit mit der Hochschule Emden/Leer ebenfalls ein Projekt zur Errichtung und zum Betrieb eines Observatoriums namens „Fabricius“ – benannt nach dem ostfriesischen Astronomen Johann Fabricius (1587–1617). Die Nicht-Wissenschaftsstadt Wiesmoor und der Landkreis Aurich haben den Mehrwert des Projekts für die Region Ostfriesland sofort erkannt und unterstützen es grundsätzlich. So will Wiesmoor unter anderem ein Grundstück zur Verfügung stellen. Die Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven verhält sich dem Projekt „AstroGeoSpace“ gegenüber jedoch weitgehend abweisend und agiert mehr hinderlich als unterstützend. Doch gerade die Realisierung eines astronomisch-geowissenschaftlichen Observatoriums in Wilhelmshaven wäre ein sichtbares und stärkenzeigendes Leuchtturmprojekt für eine Wissenschaftsstadt.

Die zweijährige Mitwirkung (2023–2025) des Astrophysikers Andreas Schwarz im „Beirat Wissenschaftsstadt“ der Wirtschaftsförderungsgesellschaft war vor diesen Hintergründen bis auf wenige Ausnahmen reine Zeitverschwendung. Die Kommunalpolitik und die Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven kommunizieren nicht wirklich effektiv mit allen Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft in ihrem Umfeld. Dabei gehört eine funktionierende Kommunikation zum Wesen von Wissenschaft und damit auch zu einer Wissenschaftsstadt.

Es besteht allerdings auch innerhalb der Gremien der Stadt Wilhelmshaven ein Kommunikationsproblem. So wurden die vom Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. übermittelten Anliegen und Vorschläge durch den Ratsvorsitz sowie den Ausschuss für Kultur und Wissenschaft nicht wahrnehmbar an den Rat und die Verwaltung der Stadt weitergeleitet. Entsprechend blieben Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Wilhelmshaven uninformiert. In diesen Fällen konnte es nicht zu einer Kommunikation mit dem Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. und dem Astronomie Netzwerk Weser-Ems kommen – obwohl hierzu gegebenenfalls die Bereitschaft bestanden hätte. Zudem werden aufgrund der fehlenden Kommunikation Leistungen einzelner Ratsmitglieder nicht sichtbar, obwohl sie erbracht werden.

Positive Ausnahmen: Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration gewährte dem Astronomischen Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. auf Antrag zweimal eine finanzielle Förderung für öffentliche astronomische Bildungsarbeit. Der Verwaltungsausschuss schlug den Verein im Dezember 2025 für eine Spende vor, welche dann im Januar 2026 von der August-Desenz-Drehorgel-Stiftung gewährt wurde. In diesen Ausschüssen wirkten, unter anderen, auch in unterschiedlicher Konstellation Armin Schönfelder, Andreas Tönjes, Astrid Zaage und Nurhayat Bakir-Block mit. Doch auch die anderen, nicht namentlich genannten Mitglieder haben uns hierbei unterstützt. Hierfür sind wir allen Beteiligten sehr dankbar!

Die Auflösung des Fermi-Paradoxons und das Wissenschaftsstadt-Paradoxon

Eigentlich hätten der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. und das Astronomie Netzwerk Weser-Ems allen Grund, sich über das Verhalten des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft sowie der meisten Ratsmitglieder – einschließlich der Ratsvorsitzenden – zu beschweren. Während die Kommunikation mit Vertreterinnen und Vertretern aus Städten wie Aurich, Bremen, Oldenburg, Papenburg, Schortens und Wiesmoor relativ gut funktioniert, blieb die Kommunikation mit der schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven einseitig.

Dafür förderte jedoch ein Vortrag des Astrophysikers Andreas Schwarz über den Planeten Mars am 8. Juni 2026 in der Musik- bzw. Wissenschaftskneipe „Schwarzer Bär“ eine wissenschaftliche Glanzleistung des Ausschusses zutage. Auf die Frage eines Gastes, ob die einst erfolglosen Kommunikationsversuche von Nikola Tesla ein Beweis für die Nichtexistenz von höher entwickeltem Leben auf dem Mars seien, folgte ein astrobiologischer Geistesblitz: Nein! Das konsequente Ignorieren von Nachrichten ist kein Beweis für die Nichtexistenz der Empfänger. Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft sowie viele weitere Ratsmitglieder der Stadt Wilhelmshaven antworten schließlich auch nie – und existieren nachweislich trotzdem. Damit haben das Gremium und die betreffenden Ratsmitglieder, ohne es zu ahnen, das Fermi-Paradoxon im Praxisversuch aufgelöst: Fehlende Kommunikation beweist nicht, dass da draußen niemand ist.

Für diesen wissenschaftlichen Beitrag sollten der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft bzw. die vielen betreffenden Ratsmitglieder auch den Wissenschaftspreis bekommen. Gerade dieser Beitrag zeigt doch auch die kommunalpolitischen Stärken der Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven. Es müssen nicht immer die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren durchaus sehenswerten Leistungen im Fokus stehen. Auch die Kommunalpolitik kann wissenschaftliche Wunder vollbringen, ohne es aktiv zu wollen oder zu begreifen.

Paradox bleiben jedoch die Bestrebungen der Kommunalpolitik, Wilhelmshaven als Wissenschaftsstadt zu titulieren, ohne effektiv mit den relevanten gesellschaftlichen Gruppen, den Institutionen und den Angehörigen der Wissenschaft zu kommunizieren. Noch paradoxer wird es, wenn selbst aktive Kontaktversuche wissenschaftlicher Organisationen unbeantwortet bleiben und Vorschläge zur Etablierung der Wissenschaftsstadt ignoriert werden. Damit kommen wir vom aufgelösten Fermi-Paradoxon zu einem lokalen „Wissenschaftsstadt-Paradoxon“. Dieses muss dringend aufgelöst werden – durch echte Kommunikation und eine daraus resultierende Kooperation.

Ausblick

Wir bemühen uns weiterhin um einen „Erstkontakt“ mit der noch schweigenden Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven. Trotz der aktuellen Funkstille sind wir uns in den Zielen einig: Wilhelmshaven besitzt als Wissenschaftsstadt großes Potenzial, das wir gemeinsam entwickeln und fördern möchten. „Gemeinsam“ bedeutet für uns eine produktive Kooperation aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Wohle aller. Hierzu möchten wir als Astronomischer Verein Wilhelmshaven-Friesland e. V. sowie über das Astronomie Netzwerk Weser-Ems beitragen, wobei letzteres auch den Raum Bremen und Nordwest-Niedersachsen als Wissenschafts- und Zukunftsregion im Fokus hat.

Nach einem erfolgreichen Erstkontakt hoffen wir gemeinsam, die Stadt Wilhelmshaven zu einer „maritimen Wissenschaftsstadt“ zu entwickeln, welche die Zukunft der Region und darüber hinaus durch Wissenschaft und Forschung zum Wohle der Allgemeinheit mitgestaltet. Dafür bringen wir unser zentrales Zukunftsthema mit viel Potential für die Stadt Wilhelmshaven und die Region ein: Weltraumwirtschaft. Als Leuchtturmprojekt mit Wurzeln in der Gründerzeit von Wilhelmshaven bringen wir mit dem Projekt „AstroGeoSpace“ die Idee zur Errichtung eines modernen astronomisch-geowissenschaftlichen Observatoriums ein. Wir warten auf eine Antwort von unseren kommunalpolitischen Vertreterinnen und Vertretern aus der maritimen Wissenschaftsstadt Wilhelmshaven! Hoffentlich kommt diese Antwort noch vor dem offiziellen „Tag des Ersten Kontakts“ (Star Trek, First Contact Day) am 5. April 2063!

Bild 2: Astrophysiker horcht nach Kommunikationssignalen aus dem Rathaus / Foto: Andreas Schwarz