Die Unterschriften unter die Kooperationsvereinbarungen zur Gründung des Astronomie Netz Weser-Ems (ANWE) am 18.11.2022 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und zur Erweiterung des ANWE am 24.10.2025 an der Hochschule Bremen waren nur kleine Formalitäten, aber großer Schritte für alle Beteiligten und die Gesellschaft in der Region Weser-Ems und weit darüber hinaus.

Die Initiative zur Gründung des Astronomie Netzwerks Weser-Ems ging am 07.05.2022 von einem regionalen Astronomie-Treffen in Wilhelmshaven aus. Vor genau drei Jahren, am 18.11.2022, gründeten drei Hochschulen und sieben astronomische Vereinigungen in Bremerhaven, Oldenburg, Ostfriesland, Papenburg und Wilhelmshaven-Friesland das Astronomie Netzwerk Weser-Ems. Es hat seinen Sitz an der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth in Wilhelmshaven.

Bild 1: Die Vertreter der Vereinigungen der ANWE-Gründungsinitiative am 07.05.2022 in Wilhelmshaven / Foto: Sven Wischmann ANWE

Bild 2: Die Vertreterinnen und Vertreter der 10 ANWE-Gründungsmitglieder / Foto: Pressestelle der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Mit den Unterschriften am 24.10.2025 unter einer neuen Kooperationsvereinbarung wurde die Erweiterung des Astronomie Netzwerk Weser-Ems um zwei Hochschulen, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, vier astronomische Vereinigungen und eine astronomische Stiftung in Bremen und Umgebung formell abgeschlossen. Des Weiteren wurde das Netzwerk auch inhaltlich erweitert. Zur Astronomie und Astrophysik kamen noch die Gravitationsphysik, die Geowissenschaften, die Raumfahrtwissenschaften, die Weltraumforschung und alle damit assoziierte Wissenschaften dazu.
Bereits am 28.02.2025 wurde diese Erweiterung durch Beschluss des Kooperationsrates des Astronomie Netzwerks Weser-Ems mit Beteiligung der bisherigen zehn und der designierten acht Verbundmitglieder beschlossen. Seit dem arbeiten fünf Hochschulen, das DLR Bremen, elf astronomische Vereinigungen und eine astronomische Stiftung erfolgreich zusammen.

Bild 3: Die Vertreterinnen und Vertreter der 18 ANWE-Verbundmitglieder / Foto: Hochschule Bremen / Luisa Windbrake
Wir sind angetreten unseren Planeten Erde zu erforschen und zu verstehen, von der Erde aus in den Weltraum vorzudringen, um die unendlich erscheinenden Weiten des Universums ebenfalls zu erforschen und zu verstehen. Die vorherrschende Kraft in diesen Weiten ist die Gravitation, die wir ebenso in ihrem Wesen ergründen wollen. Die Erforschung von Erde und Weltraum erfolgt erdgebunden und mit Hilfe der Raumfahrt. Doch wir wollen diese Erkenntnisse nicht für uns alleine, wir wollen sie durch umfangreiche Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit mit der Gesellschaft teilen, wobei sich die Bürgerinnen und Bürger (Stichwort: Citizen Science) auch aktiv an der Forschung und der Wissensvermittlung beteiligen können. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen dem Gemeinwohl dienen und die Gesellschaft voranbringen.

Bild 4: Im Olbers Planetarium / Foto: Hochschule Bremen / Luisa Windbrake
Wir reisen bereits erfolgreich zu den höchsten und tiefsten Punkten auf der Erde. In Gedanken und mit Hilfe der wissenschaftlichen Erkenntnisse reisen wir bereits zu allen Punkten im weiten Universum. Die Raumfahrt hingt hier in ihren tatsächlichen Möglichkeiten noch etwas hinter her, doch wir arbeiten daran, im Sinne von Star Trek eines Tages auf eine große Sternenreise gehen zu können. Das ist noch ein Traum. Doch wir wollen diesen Traum zum Wohle aller Menschen erfüllen. Im Weltraum sind wir nicht mehr nur verschiedene Völker und Kulturen, wir sind eine Menschheit. Bezogen auf unseren kleinen und sehr wertvollen Planeten sind wir als Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft im weiten Universum. Nur gemeinsam können wir die vor uns liegenden Herausforderungen bestehen.
Doch auch schon jetzt können wir mit Hilfe unserer Instrumente und unseren Geist geerdet in den Weltraum vordringen und viele Grenzen dabei überwinden. Das ist eines der Ziele des ANWE als Kooperationsgemeinschaft. Mit großer Leidenschaft gehen wir ans Werk. Unsere Gemeinschaft besteht aus ehrenamtlich und hauptberuflich in Wissenschaft und Bildung tätigen Menschen. Vom Laien, über die Amateurin bzw. dem Amateur, bis hin zur Professorin bzw. dem Professor sind alle vertreten und arbeiten alle auf Augenhöhe miteinander erfolgreich zusammen. Wir sind eine große Familie. Ihre Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, in guten wie in schlechten Zeiten. Es ist wie im Leben aller, denn auch wir sind ein Teil der Gesellschaft und mit ihr eng verbunden.

Bild 5: In der Walter-Stein-Sternwarte der Olbers Gesellschaft / Foto: Hochschule Bremen / Luisa Windbrake
Für die zukünftige Entwicklung des Menschen ist das Verständnis von Erde und Weltraum überlebenswichtig. Nicht nur auf der Erde drohen den Menschen Gefahren durch Kriege und Gewalt, Klimawandel und Naturkatastrophen. Es gibt auch Gefahren aus dem Weltraum, denen wir uns stellen müssen.
Der Asteroid Day am 30.06. (in Erinnerung an das Tunguska-Ereignis am 30.06.1908) erinnert uns an die Gefahr eines möglichen Impakts, dem Einschlag eines Kleinplaneten auf die Erde. Es ist nicht die Frage, ob ein solches Ereignis wieder stattfinden wird, sondern wann und was wir dagegen unternehmen werden.
Auf der Erde kann uns das Wetter auch Unwetter bescheren. Das ist bekannt. Doch gibt es auch ein sogenanntes Weltraumwetter, den Sonnenwind, ein Teilchenstrom von der Sonne. Der wird ebenfalls kontinuierlich beobachtet wie das Wetter auf der Erde. Auch beim Weltraumwetter kann es zu Unwettern, sogenannten Sonnenstürmen kommen. Sie sind für die schönen Polarlichter verantwortlich, können jedoch auch zu massiven Schäden und Störungen unserer elektronischen Infrastruktur führen. Seit 1859 hat uns bisher kein massiver Sonnensturm mehr direkt getroffen. Doch auch hier ist es nicht eine Frage, ob so ein Ereignis stattfinden wird, sondern wann. Darauf müssen wir ebenfalls reagieren können.
Selbst der aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinliche Fall eines Erstkontakts mit einer außerirdischen Zivilisation hätte eine sehr große Tragweite für die Menschheit. Hierbei kommt es nicht einmal darauf an, ob dieser Erstkontakt über eine große Distanz oder direkt erfolgen würde. Er hätte sehr großen Einfluss auf die Menschheit, ob negativ oder positiv oder auch beides, es würde eine größtmögliche Herausforderung für uns als Menschheit bedeuten. Auch mit diesem Thema müssen wir uns auseinandersetzen und tuen es im Rahmen einer interdisziplinären Forschung auch.
Innerhalb der nächsten Jahrzehnte dürfte die Bedeutung des Weltalls für die Entwicklung der Gesellschaft, insbesondere für die Wirtschaft, sehr stark zunehmen. Schon jetzt hat die Weltraumwirtschaft ein Volumen von über 600 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2035 soll dieses Volumen nach einer Studie auf 1,8 Billionen US-Dollar anwachsen. Die Weltraumwirtschaft wächst jährlich um neun Prozent, deutlich mehr als die Wirtschaft auf der Erde. Die moderne Kommunikation und Navigation, die Wettervorhersage und die Erforschung des Erdklimas, erfolgen schon heute weltraumgestützt. Auch sicherheitspolitisch wächst die Bedeutung des Weltraums.
In Zukunft werden der Abbau von fast unbegrenzten Mengen benötigter Rohstoffe von anderen Himmelskörpern, die Fertigung unter Bedingungen der Schwerelosigkeit, die weltraumgestützte Nutzung der Solarenergie und auch der Weltraumtourismus an Bedeutung gewinnen. Das bedeutet auch neue Ausbildungs- und Studiengänge sowie neue Arbeitsplätze. Die bisher hauptsächlich an Universitäten angesiedelte Astronomie sollte überdies als „Technische Astronomie“ und „Weltraumwirtschaft“ in das Fächerkanon der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Eingang finden. Neben den benötigten Technologien müssen auch die Gesellschaft und das Weltraumrecht weiterentwickelt werden, so dass wir als Menschheit insgesamt vor großen Herausforderungen in Raum und Zeit stehen.

Bild 6: Karte mit den Standorten der ANWE-Mitglieder / www.openstreetmap.org/copyright
Fazit: Das Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE) ist es eine dynamische Infrastruktur, welche Wissenschaft und Forschung, Citizen Science, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer in die Gesellschaft, sowie ehrenamtlich und hauptberuflich darin Tätige, miteinander auf Augenhöhe verbindet und für alle Synergien fördert. Diese Vielseitigkeit ist die Stärke des Astronomie Netzwerks Weser – Ems. Es ist fest in unserer Gesellschaft verankert.
Es ist ein Privileg seine Träume leben zu können, den Weltraum in seinen unendlichen Weiten zu erleben, zu erforschen und allen zu vermitteln. Für dieses Privileg können wir sehr dankbar sein, denn es ist keine Selbstverständlichkeit und ohne Kooperationen wie im ANWE nicht möglich.
Der Weltraum ist noch eines der großen Grenzen für das Streben der Menschheit nach Erkenntnis und Fortschritt. Wir schreiben das Jahr 2025. Hier und jetzt startet das Abenteuer des Astronomie Netzwerks Weser-Ems (ANWE), um alte und neue Welten zu erforschen, die Menschheit voranzubringen und gleichzeitig die Faszination des Weltalls allen näher zu bringen. Wie dringen hierbei voller Tatendrang in phantastische Welten vor, in denen zuvor noch nie Menschen gewesen sind.
Informationen
Unter nachfolgenden Link findet sich eine 56-seitige Broschüre mit ausführliche Informationen zum Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE), den 18 ANWE-Verbundmitgliedern und ausgesuchten Projekten des ANWE zum anschauen oder herunterladen als PDF.